Druckschrift 
5 (1851) Der Abt
Entstehung
Seite
179
Einzelbild herunterladen
 

und weise, und dabei voll Eifer und Raschheit, hätte er nurim Dienste einer besseren Sache, als eines sinkenden Aberglau-bens, stehen sollen, um sich zum Range eines wahrhaft großenMannes zu erheben. Aber wie das Ende das Werk krönt, sogiebt das Ziel den Maßstab, nach welchem menschliches Thunzu messen ist. Wer mit aufrichtigem Sinne und Edelmuth ineiner schlechten Sache kämpft und fällt, den kann die Nach-welt nur als ein Opfer eines cdclmüthigen aber unglückseligenJrrthums betrachten. Unter solche Opfer müssen wir.Ambro-sius, den letzten Abt von Kennaquhair, zählen, dessen Planewir verwerfen, da ihr Gelingen die Ketten veralteten Aber-glaubens und geistlicher Tyrannei in Schottland neu geschmie-det haben würde, aber dessen Fähigkeiten Werthschätzung ver-dienen und dessen Tugenden selbst den Gegnern seines Glau-bens Achtung abnölhigtcn.

Das Benehmen des neuen Abtes diente für sich selber, ei-ner Feierlichkeit Würde zu geben, welche alles äußeren Glan»zes entbehrte. Im Bewußtsein der sie bedrohenden Gefahr undin der Erinnerung an die besseren Tage, welche sie gesehen,schienen die Mönche von Schrecken, Kummer und Scham er-füllt zu sein, und eilten über die gottesdienstliche Handlunghinweg, wie über ein erniedrigendes und zugleich gefährlichesGeschäft. Anders Pater Ambrosius. Freilich lag auf seinemGesichte tiefe Schwcrmuth, als er in dem Mittelgange unterden Trümmern der Heiligthümer einhcrschritt. Aber sein Blickwar nicht niedergeschlagen, sein Tritt fest und feierlich. Erschien zu denken, daß die Hoheit, welche er jetzt übernehmensollte, in keiner Weise von den äußeren Umständen abhing,unter welchen er sie übernahm, und wenn sein untcrschütter-liches Gcmüth dem Kummer und der Furcht zugänglich war,