178
und Jubel, wenn ein neuer Oberer erwählt war. Wenn beidieser feierlichen Gelegenheit die großen Flügelthürcn geöffnetwurden und der neue Abt im vollen Glanze seiner Würde er-schien mit Ring und Insul und Dalmatica und Hirtenstab,vor ihm her greise Fahnenträger und Knaben mit Rauchfäs-sern , hinter ihm der ehrwürdige Zug der Mönche nebst allemAndern, was die hohe Würde, zu welcher er erhoben war,änderten konnte, dann war sein Vertreten das Zeichen zurAnstimmung des großartigen Jubilate von Orgel und Spiel-leutcn und zu dem Hallelujah - Ruf von Seiten der versam-melten Brüderschaft. Jetzt war das Alles ganz anders. UnterSchutt und Graus schlichen sieben oder acht gebeugte Greise,welche sich schnell in die vorschriftsmäßige Ordenskleidung ge-worfen, wie ein Zug von Gespenstern aus der geöffneten Thürüber Steine und Mörtel nach dem Hochaltar, um ihren er-wählten Oberen zum Gebieter über einen Trümmerhaufen cin-zusetzen. Das Ganze sah aus, wie ein Häuflein verirrter Wan-derer, welche sich in der Wildniß des steinigen Arabiens einOberhaupt wählen, oder wie eine schiffbrüchige Mannschaft,welche aus ihrer Mitte einen Hauptmann ernennt auf demkahlen Eilande, auf welches das Schicksal sie verschlagen hat.
Leute, welche in friedlichen Lagen am meisten nach hohenStellen trachten, beben vor der Bewerbung zurück in solchenereignißvollen Zeiten, wo der Besitz derselben weder mit Be-quemlichkeit noch mit Glanz verbunden ist, vielmehr nur denVertritt in Gefahren und Mühen giebt und das unglücklicheHaupt dem Murren seiner unzufriedenen Genossen sowohl, wiedem ersten Angriffe des gemeinsamen Feindes aussetzt. AberDerjenige, welchem jetzt das Amt eines Abtes von S. Marienübertragen worden, war seinem Berufe gewachsen. Kühn undvoll Begeisterung, dabei edelmülhig und versöhnlich, gewandt