174
dcm Pförtner in früheren Lagen, wenn dieser mit wichtigemGesicht und gerundetem Bauch den nach Kennaquhair kommen-den Pilgern entgcgentrat. Anstatt seines feierlichen: „Inlrats,inei tilü"*) — vernahm man jetzt ein zitterndes: „Ihr könntjetzt nicht herein; die Brüder sind in ihren Kammern." —Als aber Magdalcne Graemc mit gedämpfter Stimme fragte:„Hast du mich vergessen, Bruder?" — da vertauschte er direntschuldigende Weigerung mit der Einladung: „Tretet ein,verehrte Schwester, tretet eilig ein, denn böse Augen schauenauf uns."
Sic traten ein, warteten bis der Pförtner mit argwöh-nischer Hast das Thürchen verschlossen und verriegelt hatte,und wurden dann von ihm durch verschiedene dunkle undkrumme Gänge geführt. Während sie langsam dahinschritten,sprach er zu der Alten mit gedämpfter Stimme, als fürchteteer, die Wände möchten seine Worte hören:
„Die Patres sind in dcm Kapitelhaus, würdige Schwe-ster, — ja, in dcm Kapitelhaus — um einen Abt zu erwäh-len. O Lsneelicite, — kein Glockengeläut, kein Hochamt,kein Ocffncn der großen Lhüre darf jetzt statt finden, daß dasVolk seinen geistlichen Vater sehen und verehren möchte! Un-sere Patres müssen sich verbergen, mehr Räubern gleich, dieeinen Hauptmann wählen, als gottseligen Priestern, die eine»infulirten Abt erkiesen."
„Achte das nicht," erwiderte Magdalcne Graeme- ,,Dicersten Nachfolger Sanct Peters selber wurden nicht im Son-nenschein erwählt, sondern im Sturm, nicht in den Hallendes Vaticans, sondern in den unterirdischen 'Gewölben undKerkern des heidnischen Noms. Sie wurden jnicht beglück-
') Tretet ein, meine Kinder.