173
nur zu wünschen gewesen, daß dieZerstörung dabei stehen geblie-ben wäre; im Uebrigen konnte die Erhaltung dieser Alterthümernicht in die Wagschale gelegt werden gegen die Einführung desrcformirten Gottesdienstes.
Unsere Pilger sahen die Zerstörung dieser geheiligten Engel-und Heiligenbilder mit sehr verschiedenen Empfindungen. DerMerthümler darf bedauern, daß solche Zerstörung nothwcndiggewesen; Magdalenen Graeme erschien sie als ein Frevel, wel-cher die schwerste Rache des Himmels verdiente. Darin stimmteihr Enkel in diesem Augenblicke mit ihr überein. Doch wedersie noch er liehen ihren Gefühlen Worte, sondern äußertendieselben bloß durch Aufheben der Hände und Augen. Rolandwollte auf die große östliche Thür der Kirche zugehen, aberseine Führerin hielt ihn zurück. „Diese Thür," sprach sie,„ist längst verrammelt, damit der ketzerische Pöbel nichterfahre, daß unter den Brüdern zu S. Marien noch Männersind, welche es wagen, Gott da zu verehren, wo ihre Vorgän-ger im Leben gebetet haben und im Tode begraben wordensind. Folge mir dorthin, mein Sohn."
Roland folgte ihr. Magdalcne warf einen schnellen Blickumher, um zu sehen, ob sic beobachtet waren — denn dieGefahr hatte sie Vorsicht gelehrt, — und gebot dann ihremEnkel, an einem Lhürchen zu klopfen, welches sie ihm andcu-tete. „Aber klopfe leise," fügte sie hinzu mit einem Winke,welcher Vorsicht empfahl. Da keine Antwort erfolgte, bedeu-tete sic ihrem Enkel, das Klopfen zu wiederholen. Endlichöffnete sich die Thür, aber nur halb, so daß man kaum denschmächtigen und ängstlichen Pförtner bemerkte, der sich derBeobachtung der außen Stehenden entzog, zugleich aber sichbemühte, sie-zu besehen, ohne selbst gesehen zu werden. Welch'ein Unterschied gegen bas stolze Bewußtsein seiner Würde bei