„Denn das muß man ihm nachsagen, so streng er auch in For-derung der gespanntesten Aufmerksamkeit während seiner Pre-digten war, so ließ er uns doch nachher machen, was wirwollten, ja er nahm sogar Theil an unserm Zeitvertreib, wenner denselben ganz unschuldig fand. Aber diese alten Weiberstecken ganz in Düsterheit, Heimlichkeit und Selbstverleug-nung. — Nun, wenn ich denn weder den Fuß vor die Thürsetzen, noch den Kopf zum Fenster hinausstrccken soll, so willich wenigstens zum Zeitvertreib sehen, was das Innere desHauses enthält. Vielleicht erwische ich in irgend einem Winkeldie blauäugige Lacherin."
Somit ging er aus dem Gemach hinaus durch die Thürgegenüber jener, durch welche die beiden Alten sich entfernthatten (bei ihnen sich einzudrängen hatte er natürlich keineLust), und wanderte von Gemach zu Gemach, mit knabenhaf-ter Neugier das Gebäude durchstöbcrnd. Hier kam er durcheinen langen Gang, in welchen sich auf beiden Seiten diekleinen Zellen der Nonnen öffneten. Diese Zellen waren alleverlassen und entblößt von dem unbedeutenden Hausrath, dendie Ordensregel »erstattete.
„Die Vögel sind ausgeflogcn," dachte Roland; „aber obsie sich schlechter befinden in der freien Luft, als in diesen en-gen feuchten Käsigen, das überlaß ich der Frau Aebtissin undmeiner ehrwürdigen Verwandten miteinander auszumachen. Ichdenke, die junge wilde Lerche, welche sie zurückgclassen haben,würde am liebsten unter Gottes freiem Himmel singen."
Eine enge Wendeltreppe, deren Unbequemlichkeit geeignetschien, die Nonnen an ihre Pflicht des Fastens und Kasteienszu erinnern, führte ins Erdgeschoß zu einer Reihe von Gemä-chern, welche noch mehr verfallen waren, als die bisher bese-henen. Sie hatten den ersten Sturm der Verwüster auszuhal-