„Genau Eure Geschichte. Ich wurde zur Probe in Dienstgenommen"-
„Und fortgeschickt, weil Ihr die Ducnna gekneist oder dieKammerjungfer geschimpft f"
„Nein, hier sind unsere Geschichten verschieden," antwor-tete die Jungfer. — „Unsere Herrschaft gab die Haushaltungauf, oder, was auf dasselbe hinauskommt, cs ward ihr aufge-geben, sie aufzugeben und ich bin ein freies Weib im Wald."
„Und das ist mir so lieb, als ob mir Jemand das Wamsmit Goldstoff gefüttert hätte," bemerkte der Jüngling.
„Ich danke Euch für Eure Heiterkeit," erwiderte sie,„aber die Sache wird Euch wahrscheinlich nicht berühren."
„Fahrt fort," sprach Roland, „Ihr werdet bald unter-brochen werden. Die beiden alten Damen sind dort auf demAustritt herumgcschwebt wie zwei alte gchaubte Krähen, undihr Krächzen wird immer heiserer, je näher die Nacht heran-kommt. Also wer war Eure Herrschaft, schönstes Fräulein?"
„O sie hat einen herrlichen Namen in der Welt," ant-wortete Katharine. „Wenige Frauen haben ein schöneres Hausgemacht oder mehr Edclfräulein in ihrem Haushalt gehabt.Wir haben zwar nie unserer Gebieterin gesegnetes Antlitz ge-sehen, aber wir haben genug von ihr gehört, waren früh aufund spät zu Bett und wurden zu langen Gebeten und kurzenImbissen angehalten."
„Pfui über die filzige alte Hexe!" rief der Jüngling.
„Um Gottes Willen, lästert nicht!" sprach das Mädchenängstlich. „Gott verzeihe uns Beiden unsere Sünde! Ich habees nicht böse gemeint. Ich spreche von unserer heiligen Ka-tharine von Siena. Möge Gott mir verzeihen, daß ich soleichtsinnig gesprochen und Euch veranlaßt habe, Euch einegroße Sünde und Lästerung zu Schulden kommen zu lassen.