449
„die cs so schön traf, den verlaufenen Edelknaben gerade indem Augenblick zu finden, wo seine Gebieterin den Strick hattefahren lassen, und ein sehr glücklicher Edelknabe, der so flugssich in den Ceremonienmeister einer alten Frau verwandelt hat."
„Das gehört Alles nicht zu Eurer Geschichte," versetzteRoland, der an der Lebhaftigkeit des witzigen Fräuleins umso mehr Gefallen fand, da sie der seinigen entsprach. „Geschichteum Geschichte, das ist Reiscgefährtcnrccht."
„Wartet, bis wir erst Reisegefährten sind," entgegnckeKatharine.
„Nein, so kommt Ihr mir nicht los," sprach Roland.„Wenn Ihr Eure Schuldigkeit nicht thut, will ich die DameBrigitte, oder wie sie heißt, rufen, und Euch für eine falscheSpielerin erklären."
„Die Mühe sollt Ihr sparen," versetzte das Mädchen-„Meine Geschichte ist das Gegenstück zu der Eurigcn. Mankönnte sie fast mit denselben Worten erzählen, nur mit Wech-selung der Kleider und Namen. Ich heiße Katharine Scytonund bin ebenfalls eine Waise."
„Sind Eure Eltern schon lange todt?"
„Das ist die einzige Frage," antwortete sie, ihre schönenAugen mit einem plötzlichen Ausdruck des Kummers niederschla-gend, „das ist die einzige Frage, zu der ich nicht lachen kann."
„Und Dame Brigitte ist Eure Großmutter?"
Die Wolke auf Katharinens Stirn verzog sich, wie dieje-nige, welche einen Augenblick über die Sommersonne hingleitet,und sie antwortete mit ihrer gewohnten Lebhaftigkeit: „Umzwanzig Grad schlimmer, — Dame Brigitte ist meine jung-fräuliche Tante."
„Gott behüt'!" sprach Roland. „Und welcher Gräuelkommt nun?"