glich. Diese schöne Gestalt ward sehr gut hcrvorgchoben durchein enges Mieder und einen Rock von ausländischem Schnitte.Der Rock war nicht so lang, daß er ganz ein nettes Füßchenbedeckt hätte, welches auf einer Sprosse zwischen den Tischbeinenruhte. Ihre runden Arme und feinen Finger waren emsig be-schäftigt, das auf dem Tisch liegende Stück Tapete zu flicken, inwelchem entsetzliche Risse die ganze Geschicklichkeit einer geübtenNätherin in Anspruch zu nehme» schienen.
Alle diese Bemerkungen wurden von Roland mit verstohle-nen Blicken gemacht, und ein oder zwei Mal kam cs ihm vor,als ob die Jungfer durch ihren Schleier auch, seine Person be-äugelte. Die alten Weiber setzten untcrdcsscn-ihre geheime Un-terredung fort, und warfen dabei von Zeit zu Zeit einen Blickauf die jungen Leute, welcher Roland keinen Zweifel ließ, daßer und das Mädchen Gegenstand der Unterredung waren. End-lich hörte er deutlich seine Großmutter sagen: „Nein, Schwester,wir müssen sie. mit einander sprechen lassen; sie müssen sich ein-ander persönlich kennen lernen, wie ist cs sonst.möglich, daßsie ausführcn, was ihnen anvertraut wird?"
Es schien, als wäre die Hausfrau durch die Gründe ihrerFreundin nicht überzeugt und als machte sie noch immer Ein-wendungen. Endlich aber, schien es, waren dieselben durch ihreherrische Freundin beseitigt. „Es muß sein, thcure Schwester,"sprach diese. „Laß uns darum auf den Austritt gehen und dortunser Gespräch beendigen. — Ihr Beide," sprach sie zu Ro-land und dem Mädchen, „macht Euch mit einander bekannt."
Mit diesen Worten trat sie zu dem Mädchen hin, hobihren Schleier in die Höhe und enthüllte ein Gesicht, welches,über seine gewöhnliche Färbung in Ungewißheit lassend, mitallgemeiner Röthc übergossen war.