Druckschrift 
5 (1851) Der Abt
Entstehung
Seite
137
Einzelbild herunterladen
 

und schönen Jüngling in die Anschläge und in das blutdürstigeGetreide der Zeit zu stürzen, dann würde mir das Herz nichtminder schwer gewesen sein, als dem Patriarchen Abraham, daer seinen Isaak den Berg hinauf führte."

Dabei sah sie den Jüngling mitleidig an, und heftete, auchnachdem sie ausgercdct, schweigend den Blick auf ihn. Rolandwurde verlegen, aber seine Großmutter ergriff ihn mit der einenHand, strich ihm mit der andern bas Haar von der Stirn,welche vor Verschämtheit roth war, und sprach mit einer Mi-schung von stolzer Mutterliebe und fester Entschlossenheit:Be-trachte ihn nur genau, Schwester; auf einem schöneren Antlitzhaben deine Augen nie geruht. Auch ich, als ich ihn nach lan-ger Trennung zum, ersten Mal wiedcrsah, auch ich fühlte wieWeltmcnschen, und war halb und halb erschüttert in meinemEntschluß, Doch kein Wind vermag ein Blatt von einem ver-dorrten Baum herabzuwehen, der längst sein Laub verloren hat,und so kann auch keine rein menschliche Zufälligkeit die^irdischcnGefühle wieder völlig beleben, welche lange in der Ruhe derAndacht geschlummert haben."

Während die Alte so sprach, strafte ihr Benehmen ihreWorte Lügen, denn die Lhränen traten ihr in die Augen, alssie sortfuhr:Ist das Opfer nicht um so angenehmer, je schö-ner und fleckenloser es ist?" Man sah, sie war froh, von denEmpfindungen, welche ihre Seele bewegten, loszukommcn, indemsieden Gedanken aussprach:Erwirb davonkommcn, Schwester.Ein Widder wird sich in dem Gebüsch finden, und die Handunserer empörten Brüder wird nicht über unseren jungen Josephkommen. Der Himmel kann seine Rechte vcrthcidigen selbstdurch Unmündige und Säuglinge, durch Weiber und unbärtigcKnaben."

Der Himmel hat uns verlassen um unserer und unserer