wohl sie, wenn sie wollte, so gut wie nur irgend Jemand ihreReligion verheimlichen konnte. „Dein Rosenkranz, mein Sohn!"sprach sic. „Hast du deinen Rosenkranz gebetet?"
Roland crröthete. Er sah den Sturm herankommcn, ver-schmähte aber, ihn durch eine Lüge abzuwcndcn, und erklärtefrei: „Ich habe meinen Rosenkranz auf der Bürg Avcnelgelassen."
„Deinen Rosenkranz vergessen?" rief sie. „Untreu derReligion und dem Gebot der Natur, hast du verloren, was diraus so weiter Ferne und mit solcher Gefahr gesandt wordenwar — ein Zeichen treuester Liebe, an welchem jede Perle dirhätte so thcuer sein sollen, wie dein Augapfel?"
„Es thut mir leid, Mutter," antwortete der Jüngling;„er war mir ein thcures Andenken von Euch. Im klebrigenhoffe ich Gold genug zu gewinnen, wenn ich mich ins.Lebenwerfe, und bis dahin muß ein Rosenkranz von schwarzem Ei-chenholz oder von Haselnüssen aushelfen."
„Da hör' ein Mensch!" rief die Großmutter. „So jung,wie er ist, hat er schon die Lehren der Lcuselsschule inne! Dervom heiligen Water selber geweihte und durch seinen Segengeheiligte Rosenkranz ist ihm weiter Nichts als eine Anzahlgoldener Knöpfe, deren Werth er durch gemeinen Erwerb ersetzenkann, und deren Kraft auch einigen aufgereihtcn Haselnüssenbeiwohnt! Das ist Ketzerei! So hat Heinrich Warden, der Wolf,der in der Heerde wüthct, dich denken und sprechen gelehrt."
„Mutter," versetzte Roland, „ich bin kein Ketzer. Ichglaube und bete nach den Vorschriften der Kirche. Ich bedaurediesen Unfall, aber ich kann ihn nicht ändern."
„Du kannst ihn bereuen," entgcgnete seine geistliche Führe-rin, „bereuen in Staub und Asche, Buße dafür thun durch