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5 (1851) Der Abt
Entstehung
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Haupt, mein Sohn!" sprach sie mit einer Feierlichkeit, welchedem Jüngling zum Herzen drang. Schwcrmüthig und ernstfloß der Segen von ihren Lippen in einem Tone, worin Fröm-migkeit und mütterliches Gefühl vereinigt waren.So frühbist du aufgcstanden von deinem Lager, um den ersten Hauchder Dämmerung zu erhaschen! Daß ist nicht recht, Roland.Genieße des Schlummers so lange du kannst. Bald wird dieZeit kommen, wo waches Auge dein Loos sein wird, wie dasmeine."

Der Ton, in welchem sic sprach, bewies, daß trotz der ge-wöhnliche» Beschäftigung ihrer Seele mit Andachtsübungendoch der Gedanke an ihren Pflegling sie noch mit den Bandenmenschlicher Empfindung an die Erde fesselte. Aber sie bliebnicht lange in dieser Stimmung, welche sic vermuthlich alsein augenblickliches Vergessen ihres hohen Berufes betrachtete,und mit verändertem Ton rief sie:Auf, Jüngling, und regedich. Es ist Zeit, daß wir diesen Ort verlassen!"

Und wohin gehen wir?" fragte Roland.Und was istder Zweck unserer Reise?"

Die Alte trat eincrr Schritt zurück und betrachtete ihrenEnkel mit Staunen und Unwillen.Wozu eine solche Frage?"sprach sie.Ist es nicht genug, daß ich vorangche. Hast duso lange mit Ketzern zusannncngelebt, daß du endlich gelernthast, dein eignes dünkelhaftes Urthcil an die Stelle gebührenderEhrerbietung und geziemenden Gehorsams zu setzen?"

Jetzt ist cs Zeit," dachte Roland bei sich,entwedermeine Freiheit zu behaupten oder auf ewig ein.gehorsamerSclav zu sein."

Aber noch che er Etwas erwidern konnte, ging seine frü-here Ahnung in Erfüllung. Sie kam auf den Gegenstand zu-rück, der ihre Seele für gewöhnlich zu beschäftigen schien, ob-