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„Ich sollte Hunger haben?" cntgegnetc die Alte. „Merke,Jüngling, eine Mutter weiß von keinem Hunger, bevor dasBedürfnis) ihres Kindes befriedigt ist." So aus der Härte undErhabenheit ihres gewöhnlichen Tones in den zärtlicher Fürsorgeübergehend, fuhr sie fort: „Roland, du brauchst nicht zu fasten,du hast Dispensation, du bist jung, und die Jugend kannSpeise und Schlaf nicht entbehren. Spare deine Kräfte, meinKind. Deine Beherrscherin, deine Religion, dein Vaterlandnehmen sie in Anspruch. Ucberlaß cs dem Alter, durch Fastenund Wachen einen Leib auszumergeln, welcher nur noch zumLeiden taugt. Laß die Jugend in diesen Zeiten der That dieGlieder und die Kräfte nähren, welche zur That erforderlich sind."
Während dieser Worte holte sie aus der obenerwähnten'Tasche Speisevorräthc, von welchen sic selber fast Nichts genoß,während sie sorgsam ißren Pflegling beobachtete und mit demBehagen eines Schlemmers zusah, wie trefflich er sich jedenBissen schmecken ließ, da lange Entbehrung seine Eßlust unge-wöhnlich gereizt hatte. Roland, welcher so ihrer EinladungFolge leistete, drang in sie, auch ihrerseits an dem Mahle Theilzu nehmen. Auf seine erste Aufforderung antwortete sie mitKopsschütteln, bei Wiederholung derselben nahm sie ihren er-habenen Ton wieder an.
„Jüngling," sprach sie, „du weißt nicht, zu wem oder wo-von du redest. Diejenigen, denen der Himmel seine Absichtenoffenbart, müssen sich dieser Milthcilungen würdig machen durchAbtödtung der Sinnlichkeit. Sie haben in sich Ersatz für dieirdische Nahrung, deren die außer dem Kreise des SchaumsStehenden bedürfen. Für sic ist Wachen unter Gebet ein er-frischender Schlummer, und das Bewußtsein, Gottes Willenzu thun, ist für sie ein köstlicheres Mahl, als die Tafeln vonKönigen ihnen bieten können! — Aber schlaf' du sanft, mein