melung doch noch genug von der Bildhauerarbeit sah, um zuerkennen, was er ursprünglich vorgestellt hatte.
Roland Graeme, heimlich in der Lehre Roms erzogen, sahmit Abscheu die Entweihung des heiligsten Sinnbildes seiner,Religion.
„Das Zeichen unserer Erlösung," sprach er, „haben dieVerbrecher zu entheiligen gewagt! Wollte Gott, meine schwacheKraft vermöchte, cs wieder aufzurichtcn, und meine dcmüthigcVerehrung, die Schändung des Heiligthums wieder gut zumachen!"
Er bückte sich, um seinen Wunsch zu verwirklichen, undhob mit einer Kraft, die er sich nie zugetraut hätte, das eineEnde des untersten Bruchstückes auf das breite Fußgestcll.Ermuthigt durch diesen Erfolg faßte er das andere Ende, undes gelang ihm zu seinem Erstaunen, das Bruchstück in die Höh-lung einzuhebcn, aus welcher es herausgeworfcn war, und sodies Stück des Bildes wieder aufzurichtcn.
In dem Augenblick, wo er dies Werk vollendet hatte, er-klang hinter ihm in durchdringenden und wohlbekannten Töneneine Stimme: „Wohlgcthan, du guter und getreuer Knecht!So wünschte ich das Kind meiner Liebe, die Hoffnung meineralten Augen wiederzusinden!"
Roland drehte sich erstaunt um, und neben ihm standdie hohe, gebieterische Gestalt von Magdalene Graeme. Siewar in ein weites Gewand gehüllt, im Zuschnitt einem Büßer-gewand gleichend, aber von schwarzer Farbe und einem Pilgcr-rock so ähnlich, wie es in einem Lande sein durfte, wo der Ver-dacht des Katholicismus an manchen Orten gefahrbringendwar. Roland warf sich ihr zu Füßen. Sie hob ihn auf undumarmte ihn, zwar liebreich aber doch mit einer Ernsthaftig-keit, welche an Strenge grenzte.