Ivo
tet und geehrt habe, und daß der Waisenknabe wohl leicht-sinnig, aber nicht undankbar gewesen ist!"
Von diesen Gedanken erfüllt, drehte er sich um, und be-gann mit schnellen Schritten den Rückweg nach dem Schloßcinzuschlagcn. Doch die erste Hitze seines Reuegesühls verrauchtebald bei dem Gedanken an den Hohn und die Verachtung,mit welcher die Hausgcnosscnschaft vcrmuthlich die Rückkehrdes gcdcmüthigten Flüchtlings betrachten würde, in der Mei-nung, daß er sich genöthigt sähe, um Verzeihung und um Er-laubnis; zum Wiedereintritt in seinen Dienst zu bitten. Ermäßigte seinen Schritt, aber er blieb nicht stehen-
„Was liegt daran!" dachte er. „Laß sic blinzeln, deuten,nicken, die Zähne blecken, von gedemüthigtem Hochmuth spre-chen, dem der Fall gefolgt sei. Was liegt mir daran! Es isteine Buße, die meine Thorheit verdient hat, und ich will siegeduldig auf mich nehmen. Aber wenn auch sie, meine Wohl-thätcrin, wenn auch sie mich für schmutzig und schwachhcrziggenug halten sollte, nicht bloß ihre Verzeihung, sondern auchdie Wiedereinsetzung in die, mit ihrer Gunst verknüpften, Vor-theile zu erflehen — ihren Verdacht solcher Niederträchtig-keit kann ich — will ich nicht ertragen."
Er blieb stehen, und sein Stolz, vereinigt mit seiner an-geborncn Hartnäckigkeit wider sein besseres Gefühl, flüstertenihm zu, daß er eher sich den Hohn der Frau von Avcnel zu-zichcn, als ihre Gunst wiedergewinnen würde durch Verfolgungoes Weges, den die erste Hitze des Rcuegefühls ihn hatte cin-schlagcn lassen.
„Wenn ich nur irgend einen scheinbaren Vorwand hätte,"dachte er, „den ich als Grund meiner Rückkehr angeben könnte,irgend eine Ausrede, welche mich vor dem Anschein bewahrte,daß ich als ein herabgewürdigter Gna'ocbcttler, als ein fort-