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„Gnädige Frau," antwortete der hartnäckige Prediger,„ich stelle Eure wohlwollende Absicht bei Ucbcrnahme der Ob-sorge für diesen jungen Menschen nicht in Abrede, und eben sowenig Eure Befugniß, ihm die unnütze Eigenschaft eines Edel-knaben beizulegen, obwohl ich nicht absehe, wozu anders dieErziehung eines Knaben im Gefolge einer Frau dienen kann,als Putzsucht und Verweichlichung auf Dünkel und Anmaßungzu pfropfen. Aber geradezu tadle ich Euch, daß Ihr so wenigSorge getragen habt, ihn vor den Gefahren seiner Lage zuschützen und einen von Natur hochmüthigen, herrischen undunbändigen Sinn zu demüthigcn. Ihr habt einen jungenLöwen in Eure Kammer gebracht, und entzückt über seinschönes Fell und seine artigen Sprünge habt Ihr ihm nichcdie Fesseln angelegt, welche seiner Wildheit zukommcn. Ihrhabt ihn so zuchtlos aufwachsen lassen, als wär' er noch einBewohner des Waldes, und jetzt seid Ihr überrascht und ruftum Hülfe, jetzt da er anfängt sich aufzurichten, zu beißen undzu reißen, wie es ihm natürlich ist."
„Meister Warden," entgegnete die Burgfrau, tief verletzt,„Ihr seid meines Gemahles alter Freund, und ich glaube andie Aufrichtigkeit Eurer Liebe für ihn und für sein Hauswesen-Aber solch' harten Tadel halt' ich nicht erwartet, als ich Euchum Rath fragte. Habe ich wirklich unrecht gcthan, diesenarmen Waisenknaben mehr zu lieben, als andere seinesgleichen,so glaub' ich kaum, daß der Jrrthum eine so strenge Zurecht-weisung verdient hat. Wenn strengere Zucht erforderlich war,sein Ungestüm zu bändigen, so ist, denke ich, zu erwägen, daßich ein Weib bin, und daß, wenn ich in diesem Punkt geirrthabe, es einem Freund vielmehr geziemt, mir beizustchAi, alsmich zu schelten. Ich wünschte, es möchten diese Ucbelständebeseitigt werden, noch che mein Gemahl zurückkommt. Er