gegen Frau von Avcnel, und selbst über diese erlangte er baldeine Gewalt, wie sie Nachgiebigkeit dem Eigensinn leicht übcrläßr.
Wenn das Gefolge und die unmittelbaren Diener HerrnHalberts den Knaben mit Eifersucht betrachteten und jedeGelegenheit wahrnahmen, seine Eitelkeit zu demüthigen, sofehlte es auf der andern Seite nicht an Solchen, welche geneigtwaren, die Gunst der Burgfrau zu erlangen durch Gefälligkeitgegen ihren Schützling. Denn obwohl ein Günstling, nachder Versicherung des Dichters, keinen Freund hat, so fehlt csihm doch selten an Nachtretern und Schmeichlern. Die An-hänger Rolands fanden sich hauptsächlich unter den Bewohnerndes Weilers am Seeufcr. Diese Bauern, welche zuweilenVergleiche anstellten zwischen ihrer Lage und dem Vcrhältnißder Dienerschaft des Ritters, welche ihn auf seinen häufigenReisen nach Edinburgh und anderwärts begleitete, gefielensich darin, sich mehr als Unterthanen der Frau denn als svlchrdes Ritters von Avenel zu betrachten. Mariens Verständigkeitund eheliche Liebe wies bei jeder Gelegenheit einen solchenUnterschied zurück. Allein die Dorflcute blieben bei der Mei-nung, daß ihre besondere Ergebenheit der gnädigen Frau an-genehm sein müsse, oder thatcn wenigstens, als hätten siediese Meinung; und eine der hauptsächlichsten Weisen, das anan den Lag zu legen, bestand in den Achtungsbczcugungen,gegen Roland Graeme, dKi Günstling der Erbin ihrer uraltenGutsherren. Diese Art von Schmeichelei war zu angenehm,als daß sie hätte zurückgewiesen oder getadelt werden können.Der Knabe erhielt auf diese Weise Gelegenheit, sich gewisser-maßen eine Partei im Gebiet der Frciherrschaft Avcnel zubilden, und dieser Umstand vermehrte nicht wenig die Verwegen-heit und Entschiedenheit seines von Natur kühnen, heftigenund unbändigen Wesens.