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Als Günstling der gnädigen Frau war Roland bei denLeuten im Gefolge des Ritters nicht wohl gelitten. Mehrereunter diesen, von gleichem Alter und so viel man wußte, vongleicher Herkunft, wie er, aber der alten strengen Knappcnzuchtunterworfen, betrachteten ihn mit Neid und bald mit Wider-willen, und redeten verächtlich von ihm. Jndcß der Knabebesaß Eigenschaften, welche sich nicht verachten ließen. Stolzund Ehrgeiz thatcn bei ihm, was bei Andern Strenge undstete Unterweisung bewirkten. Er bewährte bald jene Gewandt-heit des Geistes und des Körpers, welche Kraftentwickelungzum Spiel macht, und er lernte gelegentlich und stoßweise, wassich Andern nur durch anhaltende Unterweisung, verbunden mitTadel und Züchtigung, bcibringen ließ. Solche kriegerischeUebungen oder Schulkenntnisse, welche gerade seinem Geschmackzusagten, lernte er so vollkommen, daß seine Tadler zu Schan-den wurden, die nicht wußten, wie oft Anlage und augen-blicklicher Eifer anhaltenden 'Fleiß ersetzt. Die jungen Leute,welche regelmäßig zum Fechten, Reiten und andern Uebungenangehalten wurden, und ihren Altersgenossen Roland um dieNachsicht oder Nachlässigkeit beneideten, mit der er behandeltzu werde» schien, konnten sich nicht rühmen, größere Fort-schritte gemacht zu haben als er, der mit der Kraft einesunbeugsamen Willens in wenigen Stunden eben so weit kam,wie sie in eben so viel Wochen.
Unter diesen vortheilhaften Verhältnissen (wenn man sieanders vortheilhaft nennen kann) entwickelte sich der Charactervon Roland Gracme. Derselbe war kühn, durchfahrend undherrisch, cdelmüthig, wenn man ihm nicht widerstand oderwidersprach, heftig und leidenschaftlich, wenn man ihn tadelteoder ihm in den Weg trat. Er betrachtete sich als an Nie-mand gebunden und gegen Niemand verantwortlich, außer