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Mein derselbe Fall ist bei jedem literarischen Versuch undLeute von sanguinischem Temperament lassen ^ sich' dadurch nichtschrecken.
Ich kann meinen Gedanken in dieser Beziehung verdeutli-chen durch Hinweisung auf eine Erfahrung, die man häufigauf Reisen macht. Wenn wir einen Abschnitt eines Weges be-sonders langweilig oder umgekehrt sehr anziehend, bedeutendkürzer oder viel länger gefunden haben, als wir erwarteten,dann ist unsere Einbildungskraft geneigt, den ursprünglichen Ein-druck so zu vergrößern, daß wir bei Wiederholung der Reise ge-wöhnlich urtheilen, wir hätten die vorherrschende Eigenschaft zu hochangeschlagen, und daß uns der Weg nun einförmiger oder an-genehmer, kürzer oder gedehnter vorkommt, als wir erwartethatten und auch als er wirklich ist. Eine dritte und vierteReise ist erforderlich, um uns zu einem richtigen Urthcil überseine Schönheit, Länge und sonstige Eigenschaften zu befähigen-
Gerade so ist es, wenn das Publikum über ein neues Werkurtheilt. Hegt es geringe Erwartung von demselben und wirdcs nachher zu seiner Ucberraschung gewahr, daß dasselbe Beifallverdient, so geräth es leicht in Entzücken, spendet ihm übermä-ßiges Lob und erhebt den Verfasser zu einem Rang, welcher ebenso schwierig zu behaupten, wie schmerzlich zu verlieren ist.Schwindelt cs dann dem Verfasser auf dieser Höhe, erschrickter vor dem Schatten seines Ruhmes, dann mag er sich von derLotterie zurückziehen mit dem Preise, welchen er gewonnen hatund ihn genießen; aber bei der Nachwelt wird seine Ehre genaunur im Verhältniß zu seiner Arbeit stehen. Wagt er sich hin-gegen zum zweiten Mal auf die Rennbahn, dann kann er dar-auf rechnen, mit einer Strenge beurtheilt zu werden, die ebenso groß ist, wie die frühere Gunst. Läßt er sich bei dieser Gelegen-heit durch eine üble Aufnahme abschrcckcn, so mag er ebenfalls