Druckschrift 
5 (1851) Der Abt
Entstehung
Seite
3
Einzelbild herunterladen
 

Menge der, wenn gleich nicht werthvollen, Frucht trägt, vordemjenigen, welcher nur wenige bringt."

Bei aufmerksamer Betrachtung der Patriarchen der Lite-ratur, deren Laufbahn eben so lang als glänzend war, habe ichzu bemerken geglaubt, daß bei dem langen Gebrauch ihrer Kräftezuweilen wohl auch Mißlungenes zum Vorschein kam, daß abersolche Fehlgeburten den Lieblingen ihrer Zeitgenossen Nichtsschadeten. Neue Werke von ihnen brachten die Fehler der frü-heren in Vergessenheit; sie waren mit der Literatur ihres Landesverwachsen, und nachdem sie sich lange von den Kritikern hattenGesetze verschreiben lassen müssen, waren sie dahin gekommen,dergleichen selber vorzuschrciben. Wenn ein solcher Schriftstel-ler endlich von der Lebensbühne abtrat, da fühlte das Publikumerst recht, wie sehr er seine Aufmerksamkeit in Anspruch genom-men hatte. Ich erinnerte mich einer Stelle in Grimms Korre-spondenz, worin ausgesprochen wird, daß der erste Eindruck derzahlreichen Abhandlungen, welche Voltaire bis ans Ende eineslangen Lebens herausgab, beim jedesmaligen Erscheinen der war,die vorliegende stehe den früheren nach, weil man sich nicht an-ders denken konnte, als, der Patriarch von Ferney müsse end-lich den Punkt erreicht haben, von wo aus seine Größe ab-nehme. Allein am Ende stellte die öffentliche Meinung die zu-letzt erschienenen Werke Voltaires auf gleiche Linie mit denjenigen,welche früher Frankreich entzückt hatten. Aus dieser und ausähnlichen Erfahrungen glaubte ich schließen zu dürfen, daß neueWerke oft von dem Publikum weniger nach ihrem eigcnthümli-chen Werth beurtheilt werden, als nach fremdartigen Vorstellun-gen, welche man zum Lesen derselben mitbringt und über welcheein Schriftsteller durch Geduld und Thätigkeit zu triumphirenhoffen dürfe. Gewagt ist der Versuch:

Fällst du hinein, gut' Nacht, sink' oder schwimm'"

l *