22Ü
„Aber ist er ein Edelmann?" sagte der Herzog; „ist er vonedler Geburt? — Sonst ist unser Versprechen ungiitig."
„Er ist allerdings ein ziemlich unlenksamcs Stück Holz,"sagte Crawford, indem er auf die große, linkische und unbe-holfene Gestalt des Bogenschützen blickte; „aber ich bürge, daßer ein Zweig vom Stamme der Rothes ist — und die sindimmer so edel gewesen, als irgend ein Haus in Frankreichoder Burgund, seit von ihrem Stifter gesagt wurde:
„Zwischen dem LaßUee und der Wiks'
Erschlug er den Nieter, den er dort ließ."
„Dann hilft es also nichts," sagte der Herzog, „und dieschönste und reichste Erbin in Burgund muß die Gemahlin ei-nes rohen Miethsoldaten, gleich diesem, werden, oder einsamin einem Kloster sterben, und sie, die das einzige Kind un-sers treuen Reginald von Croye ist! — Ich bin zu vorschnellgewesen."
Und seine Stirn umwölkte sich, zum Erstaunen seiner Pairs,die ihn selten das geringste Zeichen von Reue bei den noth-wendigen Folgen eines gefaßten Entschlusses hatten zeigensehen.
„Halt, nur einen Augenblick," sagte Lord Crawford, „eskann sich besser fügen, als Ew. Gnaden vermuthen. Hört nur,was dieser Krieger zu sagen hat. — Sprich, Mann, und eswird dein Schade nicht sein," fügte er leise gegen Balafrehinzu.
Aber dieser unbeholfene Kriegsmann, obwohl er sich demKönig Ludwig hinlänglich verständlich zu machen wußte, andessen Vertraulichkeit er gewöhnt war, sähe sich doch außerStande, seinen Entschluß vor solch einer glänzenden Versamm-lung auszusprechen, als diejenige war, vor welcher er jetztstand; und nachdem er seine Schulter gegen die Fürsten ge-