Die Gräfin von Crövecocur tadelte ihren Gemahl ernstlichum dieser harten Ausdrucke, „die Gräfin Hameline," sagte sie,„muß von Wilhelm von der Mark durch einen Anstrich vonHöflichkeit getäuscht worden sein."
„Er soll Höflichkeit heucheln!" sagte der Graf, „ich sprecheihn von aller Verstellung frei. Ihr könnt ebensogut Höflichkeitvon einem wirklichen wilden Eber erwarten — Ihr könnt eben-sogut alte rostige Eisenstäbe zu vergolden suchen. Nein —so sehrfie auch Thörin ist, so ist sie doch nicht Gans genug, sich inden Fuchs zu verlieben, der nach ihr schnappt, und zwar inseiner eignen Höhle. Aber Ihr Weiber seid alle gleich — schöneWorte verfuhren Euch — und ich wage zu behaupten, daßmeine artige Nichte hier vor Ungeduld brennt, ihre Tante injenem Narrenparadicse anfzusuchen und den Frischling desEbers zu hciratbcn."
„So wenig ich solcher Thorheit fähig bin," sagte Isabelle,„so sehr verlangt mich, daß Rache an den Mördern des treff-lichen Bischofs genommen werde, da dies auch zu gleicher Zeitmeine Verwandte aus der Gewalt des Schurken befreien wird-"
„O, da spracht Ihr des Hauses Crope würdig!" rief derGraf; und nun wurde des Briefes nicht weiter gedacht.
Aber während Isabelle den Brief der Tante ihren Freun-den las, so muß bemerkt werden, daß sie es nicht für nöthighielt, ein gewisses Postscript mitzutveilen, worin die GräfinHameline, nach Fraucnart, über ihre Beschäftigungen sprachund ihrer Nichte Nachricht gab, daß fie für jetzt ein Ueber-Ileid bei Seite gelegt habe, welches sie für ihren Gemahlfertige, und welches das Wappen von Crope und das vonder Mark in ehelicher Form darstelle, weil ihr Wilhelm ausKlugheit den Beschluß gefaßt habe, im ersten Gefecht Anderein seinen Waffenrock zu kleiden und für sich selbst das Wap-