und lagerte nicht ein burgundischcs Heer bei Saint Denis,unterstützt von allen großen Lehensträgern Frankreichs? undward ich nicht genöthigt, die Normandie meinem Bruder ab-zutreten? — O Gott, schütze uns vor Meineid unter solcherBürgschaft wie diese hier!"
„Wohlan, Vetter," antwortete der Herzog, „ich glaube,du hast eine Lehre empfangen, um ein andermal Treue zuhalten. — Und nun noch einmal, wollt Ihr ohne Winkelzugund Zweideutigkeit Euer Versprechen halten, und mit mirgehen um den mörderischen von der Mark und die Lütticherzu strafen?"
„Ich will gegen sie marschiren," antwortete Ludwig, „mitdem ganzen Heerbann Frankreichs und mit wehender Oriflamme."
„Nein, nein," sagte der Herzog, „das ist mehr, als nöthigoder räthlich sein dürfte- Die Gegenwart Eurer schottischenGarde und zweihundert auserlesene Lanzen werden hinreichcn,um zu zeigen, daß Ihr frei handelt. Eine großeArmee möchte" —
»Mich in der That frei machen, wollt Ihr sagen, lieberVetter?" fiel der König ein. „Wohlan, Ihr sollt die Zahlmeiner Begleiter bestimmen."
„Und um einen schönen Zankapfel aus dem Wege zu räu-men, willigt Ihr ein, daß die Gräfin Isabelle von Crope sichmit dem Herzog von Orleans verheirathet?"
„Lieber Vetter," sagte der König, „Ihr wollt meine Ge-fälligkeit hart erproben. Der Herzog ist der verlobte Bräu-tigam meiner Tochter Johanna. Seid großmüthig — gebtdiese Sache auf und laßt uns lieber von den Städten an derSomme sprechen."
„Mein Staaisrath wird davon mit Eurer Majestät spre-chen," sagte Karl; „mir liegt weniger die Erlangung vonLän-dergebiet am Herzen, als die Genugthuung für Beleidigungen.