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„Ich hielt sie dort nicht auf, lieber Vetter," sagte der König.„Aus Mitleid empfing ich sie allerdings ineaguito in einem Pri-vathaus, benutzte aber die erste Gelegenheit, sie unter den Schutzdes verstorbenen trefflichen Bischofs,Eures eignenBundesgenoffenzu stellen, der (Goit Hab' ihn selig!) besser als ich oder jeder andreweltliche Fürst urtheilen konnte, wie man den Schutz, den manFlüchtlingen schuldig ist, mit der Verpflichtung in Einklang brin-gen muß, die ei» König gegen seinen Bundesgenossen, aus dessenGebiete jene geflohen sind,beobachten soll. Kühn frageich diesejunge Dame, ob ich sie herzlich aufnahm, oder ob, im Gegen-theil, auf eine Weise, die ihnen mein Kummer ausdrückte, daßsie meinen Hof zum Zufluchtsort gewählt hatten?"
„Sie war so wenig herzlich," antwortete die Gräfin, „daßwenigstens ich dadurch zu zweifeln anfing, ob es möglich sei, daßEureMajestät wirklichdic Einladung gemacht haben könne, derenwirdurch jene, die sich selbst Eure Agenten nannten, versichert wa-ren ; denn wären sie wirklich durch Euren Befehl zu ihremVerfahrenermächtigt gewesen, so würde sich Ew- Majestät Benehmen kaummit dem haben in Einklang bringen lassen, welches man voneinem König, einem Ritter und Edelmann erwarten darf."
Die Gräfin warf dem Könige, während sie sprach, einenBlick zu, der wahrscheinlich einen Vorwurf enthalten sollte,aber Ludwigs Brust war gegen solche Artillerie gerüstet. ImGegentheil schien er, langsam die ausgestreckte Hand bewegendund im Kreise umherblickend, alle Anwesende triumphirendauf das Zeugniß aufmerksam machen zu wollen, welches dieAntwort der Gräfin für seine Unschuld enthielt.
Der Herzog warf ihm indessen einen Blick zu, welcher Zusagenschien, daß er, obwohl in einer Hinsicht zum Schweigen gebracht,doch noch so wenig wie vorher zufrieden gestellt sei,und daraus sagteer kurz abgebrochen zur Gräfin:—„Mich dünkt, schönes Fräulein