Druckschrift 
6 (1851) Quentin Durward
Entstehung
Seite
129
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Einen Augenblick später erschien die Gräfin Isabelle an derandern Seite des Sprachgittcrs, und kaum bemerkte sie, daßQuentin allein im Zimmer war, als sie betroffen stehen bliebund den Blick wohl eine halbe Minute lang auf dem Bodenruhen ließ.Doch warum sollte ich undankbar sein," sagtesie,weil Andere ungerechten Argwohn hegen? MeinFreund mein Retter, so kann ich Euch nennen, da ich al-lenthalben von Verrath umgeben war mein einziger treuerund beständiger Freund!"

Bei diesen Worten reichte sie ihm die Hand durch dasGitter, ja, duldete sogar, daß er sie in der seinen behielt, biser sie mit Küssen und auch mit Thränen bedeckt hatte. Siesagte nur:Durward, sähen wir uns nicht zum letzten Male,ich würde Euch diese Thorheit nie gestatten."

Wenn in Anschlag kommt, daß Quentin sie in so vielenGefahren geschützt hatte daß er in Wahrheit ihr einzigertreuer und eifriger Freund gewesen war, so werden meineschönen Leserinnen, selbst wenn sich Gräfinnen und reiche Er-binnen darunter befinden, der Gräfin die Herablassung viel-leicht verzeihen.

Aber die Gräfin befreite ihre Hand endlich, und fragte, ei-nen Schritt vom Gitter zurücktretend, Durward in einem Tonevoller Verlegenheit, was er von ihr verlange?denn daßIhr einen Wunsch habt, hörte ich von dem alten schottischenLord, der mit meinem Vetter von Crövecoeur hicher kam.Laßt cs nur etwas Vernünftiges sein," sagte sie,so daß esdie arme Isabelle gewähren kann, ohne Pflicht und Ehre zuverletzen, und Ihr werdet ja meine schwachen Kräfte nicht sohoch anschlagen. Doch, o! sprecht nicht unbedachtsam, sagtnichts," fügte sie, schüchtern umherblickend, hinzu,was unsnachtheilig sein würde, wenn man uns belauschte!"

Quentin Dnrwnrd. III. 9