daß ich mit meiner eignen Hand auf einmal meinen politi-schen Plan und das Glück eines für einander erzogenen Paa-res zerstören soll."
„Haben sie denn einander so sehr lieb?" sagte ComineS.
„Eines von ihnen zum wenigsten liebt sehr," sagte derKönig, „und zwar gerade dasjenige, für welches ich am mei-sten zu sorgen verpflichtet bin. Doch Ihr lächelt, Herr Phi-lipp, — Ihr glaubt nicht an die Macht der Liebe."
„Wirklich," sagte Comines, „wenn Ihr erlaubt, Sire, binich sowenig ein Ungläubiger in diesem Punkte, daß ich im Be-griff war, Euch zu fragen, ob es Euch einigermaßen mit dervorgeschlagenen Ehe zwischen dem Herzog von Orleans undder Gräfin Isabelle von Croye versöhnen könnte, wenn ichEuch überzeugte, daß der Gräfin Neigung so sehr einem an-dern zugewendet ist, daß sie sich zu dieser Ehe wahrscheinlichnie verstehn wird?"
König Ludwig seufzte. — „Ach!" sagte er, „mein guterund theurer Freund, von welchem Grabe habt Ihr diesen Lci-chentrost abgcschrieben? Ihre Neigung, fürwahr! — Um dieWahrheit zu sagen, nehmen wir an, daß Orleans meine TochterJohanna verabscheut, so würde er doch, ohne dies unseligeGewebe von Mißgeschick genöthigt gewesen sein, fie zu heira-then; daraus könnt Ihr abnehmen, wie schwer cs der jungenDame sein wird, ihn aus ähnlichem Antriebe auszuschlagen,zumal da er ein Sohn Frankreichs ist! — O nein, Philipp!— schwerlich kann sie der Bewerbung eines solchen Liebhabershartnäckig widerstehen. — Varium et mutabile, Philipp!"
„Ew- Majestät schlägt in gegenwärtigem Falle den Muthder jungen Dame zu gering an. Sie stammt aus einer ent-schlossenen, eigenwilligen Familie; und ich habe aus Creve-coeurs Andeutungen gemerkt, daß sie eine romantische Zunei-