1 12
„Einfach diesen, Herr," erwiderte der Burgunder; „Ew-Majestät hat wohl schon gesehn, wie ein geschickter Angler einengroßen und starken Fisch endlich mittelst eines dünnen einzel-nen Fadens an's Land zog, während dieser Fisch eine zehnfachstärkere Schnur zerrissen haben würde, hätte ihn der Fischer zuplötzlich emporgezogcn, statt seinen wilden Bewegungen gehöri-gen Spielraum zu lassen; eben so wird Ew. Majestät, indemIhr dem Herzog in jenen einzelnen Gegenständen, an welcheer seine Ideen von Ehre und die Befriedigung seiner Racheknüpft, nachgebt, vielen von den andern schlimmern Bedingun-gen auSweichen können, die ich andeutete; diese werden dann(und ich muß Ew. Majestät offen gestehen, daß einige derselbender Art sind, daß sie Frankreich bedeutend schwächen würden,)seinem Gedächtniß und seiner Aufmerksamkeit entschwinden,und, auf spätere Conferenzen und künftige Erörterung ver-schoben, vielleicht völlig vergessen werden."
„Zch verstehe Euch, mein guter Herr Philipp; aber zurSache!" sagte der König. „Auf welche von jenen artigen Vor-schlägen hält Euer Herzog so viel, daß Widerspruch ihn un-bändig und unlenksam machen würde?"
„Auf jeden derselben, mit Eurer Majestät Erlaubniß, demIhr überhaupt widersprechen würdet. Dies muß Eure Maje-stät vorzüglich vermeiden; und, um mein früheres Glcichniß wie-der aufzunehmen, Ihr müßt immer auf Eurer Hut sein unddem Herzog die Angelschnur locker genug hängen lassen, wenner damit unter dem Antriebe seiner Wuth fortschießen will.Seine Heftigkeit, die ohnehin schon etwas gemildert ist, wirdsich von selber ermatten, wenn er keinen Widerspruch erfährt,wo Ihr ihn alsbald freundlicher und milder finden werdet."
„Es müssen doch," sagte der König sinnend, „einige beson-dere Forderungen sein, deren Erfüllung meinem Vctthr mehr am
. ,