Ivo
erschweren kann; denn wer weiß, was für ein geheimer Auftrages war, der ihm anvertraut ward?"
„Der junge Mann" sagte Crevecoeur, „scheint kühn, aberumsichtig und klug über seine Jahre. In Allem was er mir sagte,schonte er des Königs Charakter, als des Fürsten, dem er dient.Ich hoffe, er wird sich vor dem Herzog ebenso benehmen. Ichwerde ihn aufsuchen, so wie auch die junge Gräfin von Croye."
„Die Gräfin! — Ihr sagtet uns, fie sei im Brigitten-kloster zurückgeblieben?"
„Ja, aber ich ward genöthigt," sagte der Graf, „ausdrücklichnach ihr zu senden, auf des Herzogs Befehl; und fie ist in einerSänfte hieher gebracht worden, da sie unfähig war, auf andre Artzu reisen. Sie befand sich im Zustande des tiefsten Kummers, so-wohl wegen der Ungewißheit über das Schicksal ihrer Verwand-ten, der Gräfin Hameline, als auch wegen der drohenden Wolke,die ihr eignes umschwebt. Sie weiß, daß sie sich eines Lehensver-brechens schuldig machte, indem fie sich dem Schutze ihres Ober-herrn, Herzog Karls, entzog, welcher nicht der Mann ist, gleich-giltig die Eingriffe in seine oberherrlichen Rechte auzusehen."
Die Nachricht, daß die junge Gräfin in den Händen Karls sei,flocht in Ludwigs Betrachtungen neue und schärfere Dornen. Erwußte wohl, daß fie durch Darlegung der Jntriguen, die er ange-wandt hatte, um fie und die Gräfin Hameline nach Plesfis zu locken,das Zeugniß ersetzen könne, welches er durch die HinrichtungZametMaugrabin's beseitigt hatte; und eben so gut wußte er, daß solchein Beweis seiner Eingriffe in die Rechte des Herzogs von Bur-gund, diesem als Beweggrund und Vorwand dienen könne, alledie Vortheile, die sich ihm jetzt boten, auf's äußerste zu benutzen.
Ludwig sprach sich über diese Umstände mit großer Bcsorgnißgegen den Herrn des Comines aus, dessen scharfsinniges und poli-tisches Talent besser für des KönigsGemüth paßte,als der schlichte