Druckschrift 
6 (1851) Quentin Durward
Entstehung
Seite
98
Einzelbild herunterladen
 

98

samen Feind geendigt worden waren. Schließlich gestand er zu, daßer nicht für die unbedingte und freie Entlassung Ludwigs stimme;von seiner gegenwärtigen Lage solle jedoch der Herzog keinen an-dern Voriheil ziehen, als den, einen guten und annehmlichen Ver-trag zwischen beiden Ländern abzuschließen, mit solcher Bürgschaftvon Seiten des Königs, daß es diesem schwer sein werde, die Treuezubrechen oder den Innern Frieden Burgunds in Zukunft zu stören-D'Hymbercourt, Crevecoeur und andere erklärten ihre Mißbilli-gung der von Campobasso vorgeschlagenen gcwaltthätigen Maßre-geln, so wie ihre eigncMeinung, daß mittelst eines Vertrags mehrbleibende Vortheile erlangt werden könnten, und zwar auf eine fürBurgund ehrenv ollereWeise,als durch eine Handlung, die dasLandmit einem Bruche der Treue und Gastfreundschaft beflecken würde-

Der Herzog lauschte diesen Vernunftgründen mit zu Boden ge-hefteten Blicken und mit so gerunzelter Stirn, als wolle er die bu-schigen Brauen in eine Masse bringen. Als aber Crevecoeur fort-fuhr zu sagen, er glaube nicht, daß Ludwig um die blutige That zuSchönwald gewußt oder sie gefördert habe, da erhob Karl seinHaupt, und einen glühenden Blick auf seinen Rath werfend rief er:Habt auch Ihr das französische Gold klingen hören, Crövecoeur? Mich dünkt, cs klingt so lustig in meiner Rathsversammlung,wie nur je die Glocken von St. Denis. Wagt Jemand zu be-haupten, Ludwig sei nicht der Anstifter der flandrischen Unruhen?"

Gnädigster Herr," sagte Crövecoeur,meine Hand war stetsvertrauter mit Stahl als mit Gold; und so weit bin ich entfernt,Ludwig für unschuldig an den flandrischen Unruhen zu halten, daßich ihn noch vor Kurzem im Angesichte seines ganzen Hofes desTreubruchs in dieser Sache beschuldigte und in Eurem Romenherausforderte. Aber obwohl feine Jntrigueu ohne Zweifel jeneBewegungen zuerst veranlaßten, so bin ich doch so weit entferntzu glauben, er habe den Tod des ErzbischoffS geboten, daß ich viel-