und daß ich so weise und so gelehrt werden sollte, wie einlandstreichender italienischer Marktschreier! Diese geistige Er-höhung hätt' ich gewiß um billigem Preis erlangen können,als durch Entsagung der herrlichsten Krone der Christenheit, undindem ich der Bewohner eines Kerkers zu Peronne ward. Geht,Herr, und meint nicht, der verdienten Strafe zu entgehen —es ist ein Himmel über uns!"
„Ich überlasse Euch Eurem Schicksal nicht," erwiderte Mar-tins, „bevor ich nicht, selbst in Euren Augen, so verdunkelt siesein mögen, jenen Ruhm gerechtfertigt habe, der ein hellererEdelstein als der hellste in deiner Krone ist, und den die Weltanstaunen wird, noch Jahrhunderte nachdem das Geschlecht Ca-pets vergessen in den Grüften von Saint Denis modert."
„Sag'an," antwortete Ludwig; „deine Unverschämtheitkann meine Absichten oder meine Meinung nicht ändern; doch,da ich vielleicht nie wieder als König ein Urtheil fälle, so willich dich nicht ungehört verurtheilen. Sprich also — obwohldas beste, was du thun könntest, wäre, die Wahrheit zu sagen.Bekenne, daß ich ein Dummkopf bin, du ein Betrüger, deineanmaßende Wissenschaft ein Traum, und daß die Planeten, dieüber uns schimmern, eben so wenig Einfluß auf unser Geschickhaben, als ihre Abbilder, die sich in einem Strom spiegeln,fähig sind, den Lauf desselben zu verändern."
„Und wie weist du," antwortete der Astrolog kühn, „welch'geheimen Einfluß jene heiligen Lichter haben? Sprichst du vonihrer Unfähigkeit, auf die Gewässer Einfluß zu üben, da dudoch weißt, daß selbst der schwächste Stern, der Mond,— derschwächste, weil er dieser elenden Erde am nächsten ist, — nichtbloß solche arme Ströme wie die Somme unter seiner Herr-schaft hält, sondern die Wogen des mächtigen Weltmeers selbst,welches sinkt und steigt, jenachdem die Mondscheibe wächst und