Druckschrift 
6 (1851) Quentin Durward
Entstehung
Seite
44
Einzelbild herunterladen
 

44

nicht mehr wohlwollender Nebenbuhler lieber darin fand, daß erdie menschlichen Unvollkommenheiten an edlcrn Individuen auf-suchte und Stoff der Belustigung fand an denBesorgnissen derTapfern und an den Thorheiten der Weisen." Und in der That,wenn die von Brantome erzählte Anekdote wahr ist, daß nämlichein Hofnarr, welcher den König belauschte, als dieser gerade einenAnfall seiner reuige» Frömmigkeit hatte und das Geständniß ab-legte, seinen Bruder Heinrich, Grafen von Guyenne, vergiftet zuhaben, daß jener Hofnarr dies am nächsten Tage bei der Tafelvor dem versammeltenHofe ausplauderte, so kann man vermuthen,daß der Monarch für sein ganzes übriges Leben an den Scherzenaller Spaßmacher von Handwerk mehr als zur Genüge hatte-

Bei gegenwärtiger Gelegenheit unterließ Ludwig jedoch nicht,dem begünstigten Narren des Herzogs Aufmerksamkeit zu schen-ken und seinen Antworten Beifall zu geben; er that dies umso eher, weil er in der Narrheit des Glorieur, wie grob sie sichauch zuweilen äußern mochte, mehr schlaue und kaustische Muste-rungen zu entdecken glaubte, als sonst bei Leuten seines Schlagsgewöhnlich find.

In der That, Tiel Wetzweiler, genannt Le Glorieur (Prahl-hans), war keineswegs ein Spaßmacher gemeiner Art. Er warein großer stattlicher Mann, in vielen Leibesübungen erfahren,die kaum mit geistiger Schwäche vereinbar schienen, weil ihre Er-lernung Geduld und Aufmerksamkeit erforderte. Gewöhnlich be-gleitete er den Herzog aufderJagd undimKriegezundbciMont-lhery, als Karl in bedeutender persönlicher Gefahr, am Halse ver-wundet und nahe daran war, von einem französischen Ritter, derseines PferdesZaum erfaßt hatte, gefangen zu werden, griffWetz-weiler den Gegner so tapfer an, daß er ihn überwältigte und sei-nen Herrn befreite. Vielleicht befürchtete er, daß dies als ein zuernsthasterDienstfür eine Person seines Charakters angesehn wer-