Print 
6 (1851) Quentin Durward
Place and Date of Creation
Page
24
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
 

24

Endlich ging ein Tag zu Ende, der für Ludwig, wegen derbeständigen Anstrengung, Wachsamkeit, Vorsicht und Aufmerk-samkeit, die seine Lage erforderte, eben so ermüdend gewesenwar, als er für den Herzog zwangvoll sein mußte, da er sichgenöthigt sah, die heftigen Gefühle zu unterdrücken, denen ersonst ohne Umstände freien Lauf zu lassen gewohnt war.

Kaum hatte der Letztere sich in sein eigenes Gemach zurück-gezogen, nachdem er einen förmlichen Abschied für die Nachtvon Ludwig genommen, als er dem Ausbruche der Leiden-schaft, den er so lange unterdrückte, freien Raum ließ; undmancher Fluch und manches Schimpfwort fiel, wie sein Narr,Le Glorieur, sagte,in dieser Nacht auf Häupter, für welchedergleichen nie gemünzt war," seine Hofleute nämlich er-freuten sich der Früchte seines Reichthums an Schimpfreden,die er schicklicher Weise nicht gegen seinen königlichen Gast,auch nicht einmal in dessen Abwesenheit, brauchen konnte, unddie sich gleichwohl in seinem Innern so angchäuft hatten, alsdaß er sie völlig hätte unterdrücken können. Die Späße desNarren trugen etwas dazu bei, des Herzogs erzürntes Gemüthzu beruhigen! er lachte laut, warf dem Spaßmacher einGoldstück zu, ließ sich ruhig entkleiden, leerte einen vollenBecher gewürzten Weins, ging zu Bett und schlief fest ein.

Die Nachtruhe des Königs Ludwigs ist bemerkenswerther,als die des Herzogs; denn der heftige Ausdruck wilder, un-gebändigter Leidenschaft, die in der That mehr dem thierischenals dem intelligenten Theile unserer Natur angehört, hat we-nig Interesse für uns, im Vergleich mit der Thätigkeit einesaufgeweckten und schaffenden Kopfes.

Ludwig ward zu der Wohnung, die er im Schloß, oder inder Citadelle von Peronne gewählt batte, durch die Kammer-Herrn und Quartiermeister des Herzogs von Burgund geleitet