Druckschrift 
6 (1851) Quentin Durward
Entstehung
Seite
214
Einzelbild herunterladen
 

214

Ehre und Leben ausschließlich seiner Geistesgegenwart, seinemMuth und seiner Ergebenheit verdankte. Allerdings sprachensie nicht von Liebe; denn obwohl die junge Dame, mit einemHerzen voll Dankbarkeit und Vertrauen, eine solche Erklärungverziehen haben möchte, so würde es doch Quentin, dessen Zungedurch natürliche Schüchternheit und ritterliches Zartgefühl ge-bunden war, für einen unwürdigen Mißbrauch ihrer Lage ge-halten haben, wenn er etwas gesagt hätte, was den Anscheinhaben konnte, als benutze er die ihm gebotene Gelegenheit.Demnach sprachen sie nicht von Liebe, aber daran zu denkenwar für beide unvermeidlich; und so befanden sie sich in einemVerhältnisse zu einander, wo Gefühle wechselseitiger Achtungeher verstanden, als erklärt werden; eine Lage, welche mit denFreiheiten, die sie gestattet, und mit den Ungewißheiten, diesie begleiten, oft die entzückendsten Stunden des menschlichenDaseins bietet, aber eben so häufig auch zu denjenigen führt,welche verdunkelt werden durch Enttäuschung, Unbeständigkeitund all die Qualen vernichteter Hoffnung und unerwiderterNeigung.

Es war zwei Stunden nach Mittag, als die Reisenden durchihren Wegweiser, der mit blassem und erschrockenem Gesichtherankam, mit der Nachricht erschreckt wurden, daß sic durcheine Schaar von Wilhelms von der Mark schwarzen Rei-tern verfolgt würden. Diese Soldaten, oder vielmehr Ban-diten, waren Banden, welche man in den Kreisen Niederdeutsch-lands angeworben hatte und die den Lanzknechten in jeder Hin-sicht glichen, außer daß sie als leichte Kavallerie dienten. Umden Namen derschwarzen Reiter" zu behaupten und zugleichihren Feinden um so furchtbarer zu erscheinen, bedienten sie sichgewöhnlich schwarzer Pferde und färbten ihre Waffen und Rüstun-gen schwarz, wobei ihre Hände und Gesichter oft gleichfalls ihr