206
sie sich im Sattel aufrichtete, „einer so verhaßten Bedingungunterwirft Burgunds ganze Macht eine Tochter des Hauses Croyenicht. Burgund kann meine Ländereien und Güter einziehn undmich in ei» Kloster sperren; aber das ist auch das Schlimmste, wasich zu erwarten habe; und Schlimmeres noch als dies will icherdulden, eh' ich meine Hand dem Campobasso gebe."
„Das Schlimmste!" sagte Quentin; „und was kann daschlimmer sein als Raub und Gefangenschaft? O, bedenkt, solange Euch noch Gottes freie Luft umweht und ein MannEuch zur Seite i'st, der sein Leben daran setzen will, Euch nachEngland, nach Deutschland, ja selbst nach Schottland zu füh-ren, wo Ihr überall großmüthige Beschützer finden werdet —o, während dies noch der Fall ist, entschließt Euch nicht sovorschnell, den Mitteln der Freiheit zu entsagen, der bestenGabe, die der Himmel gibt! — O, trefflich hat ein Dichtermeiner Hcimath gesungen:
Ja. Freiheit ist ein edel Wesen —
Von jedem Leid laßt sie genesen —
Freiheit kann jede Lust erheben —
Wer frei lebt führt ein glücklich Leben.
Gram, Mangel. Leid, was nur mag dröhn,
Liegt in dem Wvrre Sklave schon."
Sie hörte mit einem traurigen Lächeln der Lobrede ihresFührers auf die Freiheit zu, und nach kurzer Pause antwor-tete sie: „Freiheit ist nur für Männer — Frauen müssen stetseinen Beschützer suchen, La sie die Natur unfähig machte sichselbst zu vertheidigen. Und wo sollte ich einen finden? —indem vergnügungssüchtigen Eduard von England? in demtrunkenen Wenccslaus von Deutschland? in Schottland? —Ach, Durward, wär' ich Eure Schwester, und könntet Ihrversprechen, mich in einem jener Bergthäler zu schirmen, dieIhr so gern beschreibt, wo ich aus Menschenliebe oder für die