Wenigen in Lüttich den Schlaf vergönnt. Sie ward beauf-tragt, der schönen und halbohnmächtigen Fremden die größteAufmerksamkeit und Sorgfalt zu widmen, und Gertrud versah,während sie die persönlichen Reize der Fremden bewunderteund ihr Mißgeschick bedauerte, die Pflicht der Gastfreundschaftmit der Liebe und dem Eifer einer Schwester-
So spät es jetzt war, und so ermüdet der Syndikus schien, sohatte Quentin gleichwohl die größteMühe, einer Flasche erlesenenund köstlichen Weins, so alt wie die Schlacht bei Azincourt, zuentgehen, und er hätte sein Theil, obwohl ungern, daran neh-men müssen, wäre nicht die Hausfrau erschienen, welche Pavil-lons lauter Ruf nach den Kellerschlüffeln aus ihrem Schlafgemachgebracht hatte. Sie war eine dicke, kleine, flinke Frau, die zuihrer Zeit hübsch gewesen, deren Haupteigenheiten aber schonseit verschiedenen Jahren in einer rothen spitzen Nase und einerschrillen Stimme bestanden, wozu noch der Grundsatz kam,daß der Syndicus, in Betracht des Ansehns, welches er aus-wärts besaß, daheim unter gebührender Zucht bleiben müsse-Sobald sie die Natur des Streites zwischen ihrem Gemahlund seinem Gaste begriff, erklärte sie rund heraus, daß der crsterestatt noch mehr Wein trinken zu dürfen, bereits mehr als genuggetrunken habe; und weit entfernt, sich, wie er verlangte, desgroßen Schlüsselbundes, welches an einer silbernen Kette an ihrerSeite hing, zu bedienen, kehrte sie ihm ohne Umstände den Rückenzu, und führte Quentin nach dem netten und traulichen Gemach,wo er die Nacht zubringen sollte, und welches mehr Mittel zurRuhe und Erholung bot, als er bis diesen Augenblick wahrschein-lich gesehn hatte; so sehr übertrafen die reichen Flamänder, nichtnur die armen und rohen Schotten, sondern selbst die Franzo-sen, in allen Bequemlichkeiten des häuslichen Lebens.