„Ich bin cs für jetzt," erwiderte der unverzagte Schotte.
„Ihr!" sagte der betroffene Bürger; „aber seid Ihr nichtder Abgeordnete König Ludwigs von Frankreich?"
„Wahr; aber meine Botschaft geht an den Magistrat zuLüttich — und bloß in Lüttich werd' ich mich ihrer erledigen.— Wenn ich vor Wilhelm von der Mark meine Eigenschaftanerkennen wollte, müßt' ich dann nicht in Unterhandlung mitihm treten? Ja, und wahrscheinlich würd' er mich zurückhal-ten. Ihr müßt mich insgeheim in der Eigenschaft Eures Knap-pen mit aus dem Schlöffe nehmen "
„Gut — mein Knappe; — aber Ihr spracht von meinerTochter — meine Tochter ist, hoff' ich, sicher in meinem Hausein Lüttich — wohin ich auch ihren Vater wünsche, von gan-zem Herzen und ganzer Seele."
„Diese Dame," sagte Durward, „wird Euch Vater nen-nen, so lange wir hier sind."
„Und für mein ganzes übriges Leben," sagte die Gräfin, sich zudes Bürgers Füßen werfend und seine Kniee umschlingend. — „Niesoll ein Tag vergehen, an welchem ich Euch nicht ehren, lieben, undfür Euch beten will, wie eine Tochter für ihren Vater, wenn Ihrmir nur in dieser fürchterlichen Lage beisteht — O, seid nicht hart-herzig! denkt Eure eigne Tochter kniete so vor einem Fremden,und bät' um Leben und Ehre bei ihm — denkt daran, und gebtmir den Schutz, welchen Ihr Eurer Tochter wünschen würdet!"
„Fürwahr," sagte der gute Bürger, sehr gerührt von ihrerausdrucksvollen Rede — „ich glaube, Peter, dieses artige Mäd-chen hat etwas von unsers Trudchens süßem Blicke, mir kameS gleich so vor; und auch der muntre Jüngling hier, der somit seinem Rath bei der Hand ist, hat Aehnlichkeit mit Trud-chens Liebhaber — Ich wette drauf, Peter, dies ist eine Lie-besgeschichte, und cs wäre Sünde, sie nicht zu fördern."