157
Haar hänge, denn er unterließ, in dem Augenblick, wo man in'sFreie trat, all' seine gewohnten Scherze und Aufschneidereien, undschien ein Gelübde gethan zu haben, sich der Bescheidenheit, desMuths und der Schnelligkeit auf einmal zu befleißigen.
Aus der entgegengesetzten Thür, die zu den Gemächern derDamen führte, erschienen auf ein vorsichtiges Zeichen Hapraddinszwei Frauen, gehüllt in die dunkeln Scidenschleier, welche damalswie jetzt, von den Niederländerinnen getragen wurden. Quentinbot der einen von ihnen seinen Arm, den sie mit zitternder Hast um-klammerte, und sie hing in der That so sehr an ihm, daß sie ihrerFlucht hinderlich gewesen sein würde, wäre ihre Last großer gewe-sen. Der Zigeuner, welcher die andere weibliche Gestalt führte,trat den Weg nach der Hinterthür sogleich an, welche durch dieGartenmauer nach dem Graben führte, wo der kleine Nachenlag, mittelst dessen, wie Quentin beobachtet hatte, Hayraddinsich schon früher aus dem Schlosse entfernt hatte.
Als sie überfuhren, verkündigte das Jubelgeschrei der Stür-menden, daß man bereits im Begriff sein müsse, das Schloß einzu-uehmen; und dieser Schall war für Quentins Ohr so widrig, daßer nicht umhin konnte, laut zu schwören, „wäre mein Blut nichtunwiderruflich der Erfüllung meiner gegenwärtigen Pflicht ge-weiht, ich würde zur Mauer zurückgehen, treulich des gastfreund-lichen Bischofs Partei nehmen und einige dieser Schufte zumSchweigen bringen, deren Kehlen voll Aufruhr und Mcutercisind.
Die Dame, deren Arm noch in dem seinigen festruhte, drücktediesen sanft, als er so sprach, als wolle sie ihm zu verstehn geben,daß ein näherer Anspruch auf seine Ritterlichkeit vorhanden sei, alsdie Vertheidigung des Schlosses Schönwald; der Zigeuner aberrief, laut genug, um gehört zu werden: „Nun, das nenn' ich dochgehörige christliche.Narrheit, zum Gefecht umkehren zu wollen,w ährendLiebc und Glück beide die Flucht verlangen. — Auf, auf —