123
rasch und glücklich, daß schon der nächste Morgen sie zu dembeabsichtigten Reiseziele brachte. Sie fanden, daß der Bischofvon Lüttich, wie er selber angab, seiner Gesundheit wegen,doch vielleicht eher noch, um eine Ucberrumpelung von Seitender zahlreichen und meuterischen Bevöllerung der Stadt zuvermeiden, seine Residenz in seinem schönen Schlosse Schön-wald, etwa eine Meile von Lüttich, ausgcschlagen hatte.
Gerade als sie dem Schlosse naheten, sahen sie den Prä-laten in einer langen Proccssion aus der benachbarten Stadtzurückkehren, wo er ein feierliches Hochamt gehalten hatte-Er befand sich an der Spitze eines glänzenden Zuges vonGeistlichen, Civil- und Militärbeamten, untereinander gemischt,oder, wie es der alte Balladen-Dichter ausdrückt:
„Mit manchem Kreuzesträger vorn,
Und manchem Speer dahinten."
Die Proccssion gewährte einen stattlichen Anblick, wie sie,den grünen Ufern der breiten Maas entlang ziehend, sich, alswürde sie verschlungen, in das hohe gothische Portal der bi-schöflichen Residenz verlor.
Doch als die Reisenden näher kamen, fanden sie, daß somanche Umstände rings um das Schloß Besorgniß und einGefühl der Unsicherheit verriethen, welche der Entfaltung vonPomp und Macht, wovon sie eben Zeuge gewesen, wider-sprachen. Starke Wachen von des Bischofs Söldnern warensorgfältig rings um das Gebäude und in dessen unmittelbarerNachbarschaft aufgestellt; und dieses kriegerische Ansehn einergeistlichen Residenz schien zu beweisen, daß der ehrwürdigePrälat Gefahren fürchtete, weil er es nöthig fand, sich so mitkriegerischen Vertheidigungsmaßregeln zu umringen- NachdemQuentin die Damen von Croye angemeldet hatte, wurden sieehrerbietig in die große Halle geführt, wo sie vom Bischof