Druckschrift 
6 (1851) Quentin Durward
Entstehung
Seite
76
Einzelbild herunterladen
 

76

wenig Interesse an der Schilderung dieser glänzenden Scene,so wie an den Wappenschildern der verschiedenen flämischenund deutschen Ritter fand, welche die Dame mit erbarmen-loser Genauigkeit beschrieb, so begann er die Besorgniß zuäußern, er möchte an dem Orte vorüber sein, wo der Weg-weiser zu ihm stoßen sollte ein ernstliches Mißgeschick, wor-aus, sollte es wirklich statt gefunden haben, sich die schlimm-sten Folgen entwickeln konnten.

Während er überlegte, ob es gcrathen sein möchte, einenseiner Gefährten zurückzusenden, um Gewißheit zu erlangen,hörte er den Schall eines Horns, und als er nach der Rich-tung schaute, von wo der Klang kam, sah er einen Reiterschnell heransprengen. Der niedrige Bau, so wie das wilde""gezähmte Ansehn des Thieres erinnerte Quentin an die Ge-birgsrasse der Pferde seiner eignen Heimath; aber dieses warfeiner von Gliedern, und, bei demselben Anschein der Dauer-haftigkeit, rascher in seinen Bewegungen. Der Kopf besonders,der bei den schottischen Kleppern oft plump und schwerfälligist, war klein und in gutem Verhältnisse zum Halse des Thie-res, mit dünnen Kinnbacken, großen lebhaften Augen undweiten Nasenlöchern.

Der Reiter war in seinem Aeußern noch eigenthümlicher,als das Thier, welches er ritt, obwohl dies von den franzö-sischen Pferden ganz verschieden war. Er regierte sein Thiermit großer Geschicklichkeit, ruhte mit dem Fuß aber in breiten,fast schaufclförmigen Steigbügeln, deren Riemen so kurz wa-ren, daß seine Kniee mit dem Sattelknopf fast in gleicher Höhewaren. Seine Kleidung bestand in einem kleinen rothen Tur-ban, geschmückt mit einer schmutzigen Feder, die durch einesilberne Schnalle befestigt war; ferner in einem Leibrock, des-sen Form denen der Estradiotcn glich, (einer Truppengattung,