51
Schlingen und ähnliche Dinge zu vermeiden, die zur Plageder Fremden angebracht waren. Der Gascogner besaß indeßdie genaueste Kcnntniß dieses Labyrinths, und nach einem vier-telstündigen Ritt fanden sic sich jenseit der Gränzen von PleffiS-le-Parc, und nicht weit von der Stadt Tours.
Der Mond, der jetzt frei von den Wolken war, die ihn vor-her umhüllt hatten, goß ein Meer herrlichen Lichtes auf eineeben so herrliche Landschaft. Sie sahen die fürstliche Loire ihremajestätische Fluth durch die reichste Ebene Frankreichs rollen,und zwischen Ufern dahin wogen, die mit Thürmen und Ter-rassen, mit Oliven und Weinbergen geziert waren. Sie sahendie Mauern der Stadt Tours, der alten Hauvtstadt der Tou-raine, die ihre Thurme und Festunkswerke weiß im Mondlichtemporstreckte, während sich innerhalb ihrer Ringmauern dieungeheure gothische Masse erhob, die durch die Andacht des heili-gen Bischofs Perpetuus schon im fünften Jahrhundert errichtetward, und welche der fromme Eifer Karls des Großen undseiner Nachfolger mit so viel architektonischer Pracht erweiterte,daß sie zur herrlichsten Kirche in Frankreich wurde. Auch dieThürme der Kirche St. Gatten waren sichtbar, sowie die finstereMasse des Schlosses, welches in alten Zeiten die Residenz desKaisers Valcntinian gewesen sein soll.
Selbst die gegenwärtigen Umstände, die von so bedenklicherNatur waren, thaten der Bewunderung und dem Entzückendes jungen Schotten keinen Eintrag, womit dieser, gewohnt andie öde, obwohl ausdruckvolle Landschaft seiner eignen Bergeund an die dortige Armuth des Bodens, eine Scene betrach-tete, die Kunst und Natur wetteifernd mit ihrem reichsten Glanzezu schmücken schienen. Aber er ward zum Geschäfte des Augen-blicks durch die Stimme der altern Dame zuruckgerufen (diemindestens eine Octave höher klangen, als jene sanften Töne,