II
Grade betreten über das Mißverständnis das sie verleitet hatte,so rücksichtslos in Gegenwart der Tochter Ludwigs zu sprechen.Sie würde sich in Betheuerung ihrer Reue und in Entschul-digungen erschöpft haben, wäre sie nicht durch die Prinzessinzum Schweigen gebracht und beruhigt worden, die sie, zwarim sanftesten Tone, der jedoch im Munde einer Tochter Lud-wigs wie Befehl klang, bat, doch nichts weiter zur Entschul-digung oder Erläuterung zu sagen.
Die Prinzessin Johanna nahm darauf mit einer Würde, dieihr wohl stand, einen Stuhl ein, und forderte die beiden Frem-den auf, sich ihr zur Seite zu setzen; die Jüngere that dieß mitungekünstelter und ehrerbietiger Schüchternheit, und die Aelteremit dem Anschein tiefer Demuth und Ergebenheit. Sie sprachenmit einander, aber in so leisem Tone, daß die Schildwache ihrGespräch nicht verstehen konnte, und bloß bemerkte, daß die Prin-zessin der jünger» und interessanter» Dame mehr Aufmerksamkeitzu schenken schien, und daß die Gräfin Hameline, obwohl sie beiweitem mehr sprach, doch weit weniger die Achtung der Prinzes-sin durch die Fülle der Rede und der Komplimente auf sich zog,als es ihre Verwandte durch kurze und bescheidene Antwortenthat, die sie an die Prinzessin richtete.
Die Unterhaltung der Damen hatte keine Viertestunde ge-währt, als sich die Thüre am untern Ende der Halle öffnete undein Mann, in einen Reitrock gehüllt, eintrat. Eingedenk derköniglichen Vorschrift, und entschlossen, nicht zum zweiten Malträumend betroffen zu werden, schritt Quentin sogleich demEintretcnden entgegen, und, sich zwischen ihn und die Damenstellend, ersuchte er ihn, sich sogleich zurückzuziehen.
„Auf wessen Befehl?" sagte der Fremde in stolzem und er-stauntem Tone.