191
von Crevecoeur; „denn als keiner von i-nen Euch Schutz zu gebenwagte, — Euch, sag' ich, König Ludwig — als Ihr noch Dauphinwäret, aus Frankreich verbannt, und verfolgt von Eures Vatersbitterstem Hasse und der ganzen Macht seines Reichs, wurdet Ihrausgenommen und beschützt wie ein Bruder von meinem edlenHerrn, dessen großmüthigen Sinn Ihr so gröblich gemißbrauchthabt. Lebt wohl, Sire, mein Auftrag ist erledigt."
So sagend verließ der Graf von Crövecoeur plötzlich dasZimmer und ohne weitern Abschied zu nehmen.
„Ihm nach! ihm nach! Nehmt den Handschuh, und ihm nach!"sagte der König. — „Ich meine nicht Euch, Dunois, auch Euchnicht, Mplord von Crawford, der, dünkt mich, für solch einenheißen Strauß doch zu alt ist, und auch Euch nicht, Vetter vonOrleans, der Ihr zu jung dazu seid. — Mylord Cardinal, MylordBischof von Aurerre, es ist Euer heiliges Amt, Friede unter denFürsten zu stiften, — hebt Ihr den Handschuh auf und stellt demGrafen von Crevecoeur die Sünde vor, die er begangen hat, in-dem er einen großen Monarchen an seinem eignen Hofe sobeleidigte, und ihn zwingt das Elend des Krieges auf seinReich, und auf das seines Nachbars zu bringen."
Auf diesen bestimmten persönlichen Aufruf, trat der Car-dinal Balue hinzu, den Handschuh aufzuheben, und zwar mitsolcher Vorsicht, wie Jemand, der eine Natter berühren will,— so groß war scheinbar sein Abscheu vor diesem Symboldes Kriegs, — und gleich darauf verließ er das königlicheGemach, um dem Herausforderer nachzueilen.
Ludwig schwieg und blickte im Kreise seiner Höflinge umher,von denen die meisten, außer den bereits von uns ausgezeichneten,von niederer Herkunft waren, zu ihrem Range in des Königs Hof-staat erhoben wegen ganz anderer Gaben als Muth oder Waffen-thaten; diese sahen einander bleich an, und hatten einen sehr un-