162
wenn er gestorben wäre, der König über die Erbin von Bur-gund haben würde?"
„Der König wird sich, wie immer, durch die Regeln derPolitik bestimmen lassen; und Ihr wißt," fuhr Craword fort,„daß er diese Damen weder öffentlich empfange», noch sie unterden Schutz seiner Töchter, der Frau von Beaujeu oder der Prin-zessin Johanna, gestellt hat; daher läßt er sich wahricheinlich durchdie Umstände leiten. Er ist unser Herr — aber deswegen ist eskein Verrath, zu sagen, daß er mit den Hunden jagen und mit denHasen laufen wird, wie ein jeder Fürst in der Christenheit."
„Doch der Herzog von Burgund versteht solch' doppelsin-niges Zeug nicht," sagte Cunningham.
„Nein," antwortete der alte Lord; „und daher ist wahr-scheinlich, daß Beide an einander gerathen werden."
„Gut — St. Andreas wird weiter helfen!" sagte der Ba-lafrö. „Ich habe es mir schon seit zehn, ja, zwanzig Jahrenvorhergesagt, daß ich das Glück meines Hauses noch durchHeirathcn mache. Wer weiß, was geschehen kann, wenn wireinmal dahin kommen, für Ehre und Frauenlicde zu fechten,wie es in den alten Balladen geschieht?"
„Du sprichst von Frauenliebe, mit einer solchen Furche imGesicht?" sagte Guthrie-
„Das ist doch zum mindesten nicht schlimmer, als ein heid-nisches Zigennerweib zu lieben?" erwiderte Balafre.
„Halt, Kameraden," sagte Lord Crawford; nicht mit schar-fen Waffen gefochten, nicht mit spitzen Pfeilen geschossen —seid Freunde! Und was die Dame betrifft, so ist sie zu reichfür einen armen schottischen Edelmann, sonst würde ich, trotzmeiner Last Jahre, selber noch Ansprüche auf sie machen. Doch,wie dem sei, hier auf ihre Gesundheit! denn, wie man sagt,ist sic ein Licht an Schönheit."