„Graf Guy, die Stunde naht, cs gehtDie Sonne vom Gefild,
Orangcnduft der Laube weht,
Der Hauch der See weht initd.
Tags sang die Lorch' i» Einsamkeit —
Kehrt nun beim Gatten ei»;
Luft, Blum' und Vogel kennt die Zeit —
Doch wo Graf Gny mag sein?
„Es stiehlt des Dorfes Maid sich fortUnd lanscht des Schäfers Sang:
Zur Schönen, hoch am Fenster dort,
Tönt NitterS Lautenklang.
Der Liebe Stern, und jeder SternEntsendet seinen Schein;
Und Alle huldigen ihm gern —
Doch wo Graf Guy mag sein?"
Was immer der Leser von diesem einfachen Liedchen denkenmag, es äußerte auf Quentin doch eine mächtige Wirkung, alses, mit himmlischen Tönen vermählt, von einer süßen undschmelzenden Stimme gesungen ward und die Klänge sich mitdem sanften Lufthauch mischten, der duftig vom Garten wehte,und während zugleich die Gestalt des Sängers nur zum Theilund undeutlich sichtbar war, so daß sich ein Schleier geheim-nißvollen Zaubers über das Ganze breitete. H
Beim Schluß des Liedes konnte der Lauscher nicht umhin,sich kühner als bisher zu zeigen, um durch einen schnellenVersuch mehr zu sehen, als er bis fetzt hatte entdecken können.Augenblicklich endete da die Musik — das Fenster schloß sich,und ein dunkler von Innen vorgezögener Vorhang, machtejeder ferneren Beobachtung von Seiten des Nachbars imnächsten Thurme ein Ende.
Durward war gekränkt und verwundert über die Folgeneiner Voreiligkeit, aber er tröstete sich mit der Hoffnung, daß