51
Die Gewissensbisse, die aus seinen bösen Handlungen entspran-gen, suchte Ludwig nie durch eine Verminderung seiner machia-vellistischen Kunstgriffe zu sühnen, sondern bemühte sich vergebens,jenes marternde Gefühl durch Beobachtung abergläubischer Ge-bräuche, strenger Bußübung und reicher Geschenke an die Geistli-chen zu versöhnen. Die zweite Eigenheit, die seltsamer Weise mitder ersten oft vereinigt ist, war eine Neigung zu niedern Vergnü-gungen und düsterer Ausschweifung. Zwar der weiseste, oder dochder verschlagenste Fürst seiner Zeit, gefiel ihm doch das gemeineLeben, und er, der selbst ein witziger Mann war, fand seine Lustan den Späßen und Einfällen der geselligen Unterhaltung ingrößerm Maaße, als man nach andern Seiten seines Charaktershätte erwarten sollen. Er mischte sich in die komischen Abenteuergemeiner Jntrique mit einer Freiheit, die übel zu der gewöhnli-chen und streng bewahrten Eifersucht seines Charakters stand; under fand so viel Behagen an dieser Art niedriger Galanterie, daßer eine Sammlung seiner heitern und ausschweifenden Anekdotenveranstalten ließ, welche allen Büchcrsammlern wohlbekannt ist,in deren Augen (denn das Werk ist gar nicht geeignet für jedenAndern) dieächte Ausgabe einen hohen Werth hat").
Mittelst des mächtigen und klugen, wiewohl sehr unliebens-würdigen Charakters dieses Fürsten, gefiel es dem Himmel, derdurch Sturm ebenso gut als durch sanften Regen herrlich waltet,dem großen französischen Volke die Wohlthat einer bürgerlichenRegierung wiederzugeben, welche es zur Zeit seiner Thronbestei-gung fast ganz verloren hatte.
") Diese köitio prineeps, die, wenn gut gehalten, von Kennern sehrgesucht ist, führt den Titel: Hs eent Nouvells», eontensnt ceot Ki-stoires ^ouvermx, ijui sont moult piknskins L raeouter en toute« bon-
4