Druckschrift 
6 (1851) Quentin Durward
Entstehung
Seite
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mein als das Heiligste am Charakter eines Mannes, unddessen geringste Verletzung im Gesetzbuch der Ehre als Haupt-verbrechen gilt, ward oft gewissenlos bei der geringsten Ge-legenheit gebrochen, und zwar oft in Begleitung der unge-heuersten Verbrechen. Wenn er seine eigenen, persönlichenSchwüre brach, so machte er auch mit den in öffentlichen An-gelegenheiten geleisteten nicht mehr Umstände. Daß er einegemeine Person als Herold verkleidet an Eduard IV. sandte,war in jenen Tagen, wo Herolde als heilige Bewahrer deröffentlichen und nationalen Treu' und Wahrheit galten, einkühner Betrug, dessen sich wenige außer diesem gewissenlosenFürsten würden schuldig gemacht haben.

Kurz, die Manieren, Gedanken und Handlungen Ludwigsdes Elften standen ganz im Widerspruche mit den Grundsätzender Chevalerie, und sein kaustischer Witz war ganz dazu ge-eignet, ein System lächerlich zu machen, dessen Grundlage ihmganz absurd erschien, da es sich darauf gründete, Mühe, Geschickund Zeit zu opfern, um Zwecke zu erreichen, welche, der Naturder Dinge nach, keinen persönlichen Vortheil gewähren konnten.

Es ist mehr als wahrscheinlich, daß Ludwig, indem er sofast offenbar die Bande der Religion, Ehre und Moral, durchwelche die Menschheit sich zu edlerem Gefühl begeistert, ver-läugnete, große Vortheile in seinen Unternehmungen mit An-dern zu erlangen suchte, welche sich selber für gebunden haltenhalten mußten, während er sich völlig frei bewegte. Aber dieVorsehung scheint stets das Vorhandensein ungewöhnlicher Ge-fahr mit einem Umstande zu verbinden, der diejenigen, dieder Gefahr ausgesetzt sind, ihrem Schutze anheim gibt. Dasbeständige Mißtrauen bei einer öffentlichen Person, welchewegen Eidbruch übel berühmt ist, wird für sie dasselbe, wasdas Klappern für die giftige Schlange; und die Menschen