auf seinen Ehrgeiz, seine Habsucht und selbstische Lüsternheitbezog, daß er fast der eingefleischte Teufel selbst zu sein schien,der darauf ausging, sein Möglichstes zu thun, um unsere Be-griffe von Ehre von Grund aus zu verderben. Auch ist nichtzu vergessen, daß Ludwig in hohem Maße den kaustischenWitz besaß, welcher alles lächerlich zu machen weiß, was einMensch zum Vortheil einer andern Person und nicht für sichselbst unternimmt, und daher war er ganz besonders geeignet,die Rolle eines kaltherzigen und höhnischen Satans zu spielen.
Aus diesem Gesichtspunkte scheint die Goethe'sche Auffas-sung des Charakters und Räsonnements des Mephistopheles,des versuchenden Geistes im Drama Faust, weit glücklicher,als die, welche sich bei Bpron findet, ja selbst als der Sa-tan Milton's. Die letztgenannten großen Dichter haben dembösen Princip etwas gegeben, was seine Schlechtigkeit erhebtund adelt; ein starkes und unbezwingliches Widerstreben ge-gen die Allmacht — eine stolze Verachtung des Leidens ver-glichen mit Unterwürfigkeit, und all' jene besondern charakte-ristischen Züge am Urheber des Bösen, welche Burns undandere verleiteten, ihn als den Helden des „Verlornen Pa-radieses" anzusehen. Der große deutsche Dichter hat, imGegentheil, seinen verführenden Geist zu einem Wesen ge-macht, welches, im Uebrigen ganz leidenschaftslos, allein zudem Ende zu cristiren scheint, um durch seine Ueberredungen undVersuchungen die Masse des moralischen UebelS zu vermehren,und welches durch seine Verführungskllnste jene schlummerndenLeidenschaften weckt, die außerdem das Leben des menschlichenWesens, das der böse Geist zum Gegenstand seiner Operationenersah, in Ruhe gelassen haben würden. Aus diesem Grundeist Mephistopheles, gleich Ludwig XI., mit jenem kaustischenWitze versehen, der unablässig bemüht ist, alle Handlungen