auf zu verweilen. Doch zur Sache. Wenn ich Dich als Gefan-genen nach S. Marien führe oder führen lasse, so ist diese Nachtder Kerker und morgen der Galgen Dein Loos. Laß ich Dich freivon hinnen ziehen, so versündige ich mich an der heiligen Kirche undbreche mein feierliches Gelübde. Bielleicht werden in der Hauptstadtandere Entschließungen gefaßt, oder es kommen bald bessere Zeiten.Willst Du Gefangener auf Ehrenwort sein, auf Auslösung oderNichtauslösung hin, wie die Kriegsleute cs nennen? Willst Du dasfeierlich versprechen und auf meinen Ruf vor Abt und Kapitel vonS. Marien erscheinen und Dich von diesem Hause keinen Büchsen-schuß weit in irgend einer Richtung entfernen? Willst, sag' ich,mir hiefür Dein Wort verpfänden? Denn ich baue so sehr aufDeine Treue, daß ich Dich auf Dein Wort hin unbelästigt undohne Einsperrung hier lassen will lediglich mit der Verbindlich-keit, auf Erfordern vor unserem Gericht zu erscheinen."
Der Prediger besann sich einen Augenblick und antwortetedann: ,.Jch will nicht meine natürliche Freiheit durch eine selbstübernommene Verpflichtung fesseln. Aber ich bin einmal in EurerGewalt und ihr könnt mich zwingen vor Euch Rede zu stehen.Durch das Versprechen, in einem gewissen Bezirk zu bleiben undauf Erfordern zu erscheinen, verzichte ich auf keine Freiheit, welche,ich gegenwärtig besitze; im Gegentheil, als Gefangener und EurerWillkühr preisgcgeben, erlange ich damit eine Freiheit, welcheich gegenwärtig nicht besitze. Ich nehme also Dein freundlichesErbieten an, da ich es in Ehren thun rann."
„Doch halt!" sprach der Subprior, „ein wesentlicher TheilDeiner Verpflichtung ist vergessen. — Du mußt ferner versprechen,daß Du, während Du in dieser leidlichen Haft best, weder directnoch indirect irgend eine der verderblichen Ketzereien lehren oderpredigen willst, durch welche heutzutage so viele Seelen aus demHimmelreich in's Reich der Finsterniß verlockt werden.