Allein die zärtliche Mutter Halle Vorbereitungen für dies Ge-schäft getroffen, welches ihr auf Erden am meisten am Herzenlag. In dem Buch waren Blättchen eingefügt, in welchen durchHinweisung auf verschiedene Schriftsteller, und durch Vergleichungderselben die Jrrthümcr und Menschensatzungen nachgewiesenwaren, durch welche die römische Kirche den einfachen Bau desChristcnthums, wie er von dem göttlichen Meister aufgerichtetwar, verunstaltet hatte. Diese Widerlegungen waren in einemsolchen Geiste christlicher Liebe und mit so viel Ruhe abgefaßt,daß sic den Theologen jener Zeit als Muster hätten dienen können.Dabei waren sic einfach, verständlich, ohne Spitzfindigkeiten undüberall mit Beweisstellen belegt. Noch andere Blätter waren da,welche keinen Bezug, auf Streitpunkte hatten, sondern einfacheErgießungen eines frommen Herzens waren. Unter denselbenbefand sich ein, dem Ansehen nach viel gebrauchtes, auf welchemMariens Mutter diejenigen Texte zusammengcschrieben hatte, z»welchen das Herz in Trübsalen seine Zuflucht nimmt, und welcheuns des, den Kindern der Verheißung bestimmten Schutzes ver-sichern. Bei Mariens gegenwätigem Gemüthszustand mußtendiese Lehren sie vor allen anderen anziehrn, zumal da sie von soweither Hand herrührten und in so ergreifender Weise abgefoßtwaren. Sie las die rührende Verheißung: „Ich will Dich nichtverlassen noch versäumen," und die tröstende Ermahnung: „Rufemich an in der Noth, und ich will Dir helfen." Sie las sie, undihr Herz kam zu dem Schluffe: „Sicherlich ist das Gottes Wort!"
Ueber die Einen kommt ein religiöses Gefühl in Sturm undWetter, Andere empfinden dasselbe plötzlich im Saus und Brausund unter den Eitelkeiten der Welt, noch andere vernehmen seineleise Stimme in ländlicher Ruhe und Zufriedenheit. Am häufig-sten aber prägt sich wohl die Kenntniß, welche nicht irrre führt,dem Gemüth ein in Zeiten der Trübsal, und Thänen sind meistKloster l». ' 5