so zart berührten Umstände, „der Gürtel war zu kurz, das grüneRöcklein allzueng" halten in ihr die Freifrau vcrmuthen lassensollen. Allein der niedrige Sitz, der Ausdruck tiefer Schwermuth,welcher sich in ein furchtsames Lächeln verwandelte, wenn sie eSfür möglich hielt, daß Julian's Blick auf sie siele, die hervor-brechendc Thräne, welche wieder an die Stelle des erzwungenenLächelns trat, wenn sie sich ganz unbeachtet sah — dies war nichtdas Verhalten einer Gattin, sondern vielmehr das eines unglücklichenWeibes, welches seine Liebe in unerlaubter Weise bewilligt hatte.
Julian von Avenel fuhr, wie gesagt, fort, in dem Saal aufAnd ab zu schreiten, ohne das geringste Zeichen stummer Auf-merksamkeit, welches man sonst doch jedem Weibe, sei es nun ausZuneigung oder aus Höflichkeit gibt. Es schien als wüßte er garnicht, daß sie oder daß seine Diener da wären. Das Weib be-obachtete sein Thun mit dem Habicht, als suchte sie eine Gelegenheit,mit dem Freiherrn zu sprechen, oder als fände sie etwas Räthsel-haftes in den Ausdrücken, welche er gegen den Vogel gebrauchte.
Alles dicß hatten die Fremdlinge Zeit genug zu beobachten,denn kaum waren sie in das Gemach eingrtreten, als Christie.der sie eingeführt hatte, einen bedeutungsvollen Blick mit denKnechten oder Kleppern am unteren Ende des Saales wechselteund unseren Wanderern ein Zeichen gab, ruhig an der Thürstehn zu bleiben. Ec selber näherte sich dem Tisch, und nahm einesolche Stellung ein, daß der Blick des Freiherrn auf ihn fallenmußte, wenn diesem in den Sinn kam, sich umzusehen, aber erwar weit entfernt davon, sich der Aufmerksamkeit seines Herrnaufzudrängen. Der von Natur kecke und verwegene Blick diesesMenschen erschien ganz verändert, wenn er in der Nähe seinesGebieters war, und erinnerte an die kriechende Weise eines bissigenHundes, wenn derselbe von seinem Herrn angefahrcn wird, oderwenn er bei einem Stärkeren aus seiner Gattung um Gnade bittet.