Druckschrift 
4 (1851) Das Kloster
Entstehung
Seite
165
Einzelbild herunterladen
 

165

Burgthor stand, und so die Dunkelheit des Gewölbes, unterwelchem sie sich befanden, noch vermehrte. Christic lachte undhieß sie ihm folgen. Halberten sagte ec ermunternd in's Ohr:Antwortet frisch und keck auf Alles, was der Freiherr Euch fragt.Haltet nie inne, um Eure Worte auszuglauben, und vor allen Din-gen, zeigt keine Furcht vor ihm der Teufel ist nicht so schwarzwie er abgemablt wird."

So sprechend, führte er sie in den weitläufigen Saal, andessen oberem Ende ein großes Holzfeucr brannte. Auf demlangen eigenen Tisch, welcher, wie überall, die Milte des Gema-ches einnahm, erblickte man Zurüstungen zu dem nicht sehr leckerenAbendmahl des Freiherrn und seiner vornehmsten Diener. Fünfoder sechs von diesen, starke, wild ausschende Männer gingenauf und ab am unteren Ende des Saales, welcher widerhaltevon dem Klirren ihrer großen Schwerter und von dem schwerenTritt ihrer langen Stiefel mit hohen Absätzen. Eiscnjacken oderBüffelwämser waren die Hauptstücke ihrer Bekleidung; auf demKopf trugen sie Sturmhauben oder breitkrämpige Hüte mitspanischen, rückwärts fallenden, Federn.

Der Freiherr von Lvcnel war eine von jenen schlanken, mus-kelkräftigen, kriegerischen Gestalten, wie sic Salvator Rosa sogerne mahlt. Er trug einen Mantel, welcher einst reich verziertwar, dessen Farben aber durch langes Tragen in Wind und Wetterverschossen waren. Nachlässig um seine schlanken Glieder geworfen,verhüllte derselbe und zeigte zum Theil ein kurzes Büffelwams,unter welchem stellenweise ein leichtes Panzerhemd hervorsah.Diese Art von Panzerhemd hieß das Geheimniß, weil es stattder augenfälligeren Rüstung getragen wurde zum Schutz gegenMeuchelmord. An einem ledernen Gurt hing auf der einen Seiteein großes gewichtiges Schwert und auf der anderen der zierlicheDolch, welcher einst Herr Piercie Shafton seinen Herrn genannt hatte.